Ältere Beschäftigte: Zweifel am Sinn des Bonus-Malus-Systems

24. November 2015, 12:37
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Hohe Bürokratie, wenig Lenkung: Am neuen Schmalspur-Bonus-Malus gibt es viel Kritik

Beim Bonus-Malus, der die Beschäftigung älterer Mitarbeiter erhöhen soll, gibt es noch einige Unschärfen. Mit Abänderungsanträgen wurden in den letzten Tagen und Wochen noch einige Adaptierungen angestrebt bzw. auch vorgenommen. So soll beispielsweise sichergestellt werden, dass die Betriebe ausreichend Zeit erhalten, um sich auf die Änderungen einstellen zu können. Daran hatte der Gesetzesentwurf Zweifel gelassen.

Beispielsweise war ursprünglich vorgesehen, dass die die als Messlatte für Bonus oder Malus herangezogenen Quoten für die Beschäftigung von Über-55-Jährigen Ende September eines Jahres festgelegt werden. Wer dann am Beginn des darauffolgenden Jahres die Vorgaben verfehlt, würde in Form einer doppelten Kündigungsabgabe bestraft. Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern, die die Quote erfüllen, würden mit einer niedrigeren Abgabe zum Familienfonds Flaf belohnt.

Änderungen geplant

Dadurch würden die Unternehmen "vor vollendete Tatsachen gestellt und haben keine Möglichkeit nachträglich eine Verhaltensänderung vorzunehmen", eben mehr Ältere einzustellen, kritisiert Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker. Er zeigte sich zuversichtlich, dass ein von ihm ausgearbeiteter Abänderungsantrag, der den Unternehmen mehr Zeit zum Disponieren einräumt, von den Regierungsparteien mitgetragen wird.

Was aber nichts an seiner grundsätzlichen Ablehnung des Bonus-Malus ändert. Oppositionsparteien und große Teile der Wirtschaft halten den Bonus-Molus für ein Bürokratie-Monster, das kaum Lenkungswirkung entfalten werde. Tatsächlich sind die bewegten Beträge gering. Die Entlastung bei Erfüllung der Quoten macht rund 30 Millionen aus, die Strafe bei Verfehlung in etwa 20 Millionen.

Beschäftigung für Wirtschaftskammer

Neben der Erhebung der Quoten durch den Hauptverband und der Administrierung selbiger durch die Unternehmen macht Loacker auf einen gesonderten Passus aufmerksam. Die Wirtschaftskammer muss Betriebe beraten, die die Vorgaben verfehlen. "Wir bekommen also Zwangsberatung für Zwangsmitglieder", kritisiert Loacker. (as, 24.11.2015)

  • Das Sozialministerium hat bereits erhoben, wie viele Ältere in den diversen Branchen beschäftigt werden.

    Das Sozialministerium hat bereits erhoben, wie viele Ältere in den diversen Branchen beschäftigt werden.

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