Schuldsprüche in Prozess um 500.000 Euro Falschgeld

24. November 2015, 13:05
2 Postings

Euro-Blüten bei Verkehrskontrolle sichergestellt – Zwei Männer schuldig gesprochen, ein Urteil rechtskräftig – Bulgare geständig, Mazedonier beteuerte Unschuld

Salzburg – Mit Falschgeld im Nennwert von 500.000 Euro sind am 23. Juli 2015 ein Bulgare (42) und ein Mazedonier (40) in eine Verkehrskontrolle bei der Autobahnabfahrt Salzburg-Süd geraten. Das Duo musste sich am Dienstag bei einem Prozess in Salzburg wegen Geldfälschung und Urkundenunterdrückung verantworten. Während sich der 42-Jährige geständig zeigte, beteuerte der 40-Jährige sein Unschuld.

Die beiden Angeklagten tischten dem Vorsitzenden des Schöffensenates, Richter Günther Nocker, zwei unterschiedliche Varianten auf. Der 42-Jährige stellte sich als Beitragstäter dar, er schob die Hauptschuld dem jüngeren in die Schuhe. "Er sagte zu mir, wir müssen einen Transport nach Österreich durchführen. Es handelt sich um Falschgeld", schilderte der Bulgare. Die Beschuldigten kennen sich seit ein paar Jahren, die beiden sind in Bulgarien im Textilgeschäft tätig.

"Geld war für Italien bestimmt"

Ausgangspunkt des Transportes sei auch Bulgarien gewesen. Dort hätten sie sich in einem Hotel in Sofia getroffen, erzählte der bisher unbescholtene 42-Jährige. Der Zweitangeklagte habe von einem ihm unbekannten Albaner das Geld übernommen. "Wir sollten es einem anderen Unbekannten überbringen. Ich habe zugestimmt. Das Geld war für Italien bestimmt." Als Entlohnung für den Transport hätten sie im Voraus insgesamt 2.000 Euro erhalten.

Über Ungarn seien sie nach Österreich gefahren, schilderte der Erstangeklagte weiter. Er sei am Steuer des Mercedes Benz gesessen. "Das Geld war in einer Tasche im Bereich der Armlehne auf der Rückbank verstaut." In Salzburg hätten sie bei einer Tankstelle angehalten. "Bevor er ausgestiegen ist, hat er mir die Tasche übergeben. Er ging zu einem Mann, redete mit ihm, und ist dann wieder zurückgekommen", erzählte der 42-Jährige. Der Zweitangeklagte habe sich dann selbst hinters Steuer gesetzt und sei weitergefahren.

1000 Stück 500-Euro-Noten

Doch nach wenigen Kilometern wurde das Duo schon von der Polizei gestoppt. Die Beamten staunten nicht schlecht, was sie da in der schwarzen Umhängetasche fanden: 1.000 Stück 500-Euro-Banknoten, verpackt in Plastik und Zeitungspapier. Damals hatte der 42-Jährige den Polizisten allerdings eine völlig andere Version unterbreitet wie heute dem Richter: Er brauche das Geld für einen Pkw-Ankauf in Deutschland. "Das habe ich nur gesagt, weil ich Angst hatte", sagte der Erstangeklagte zum Vorsitzenden.

Das Geld wurde von der Nationalbank begutachtet. Demnach handelte es sich um besonders professionelle Druck-Fälschungen, wie Staatsanwalt Christian Weismann erklärte. Auch das Wasserzeichen sowie die Fühlbarkeit des Tiefdrucks und der Sicherheitsfaden wurden nachgeahmt.

"Habe mit der Sache nichts zu tun"

Der Zweitangeklagte wies jede Schuld von sich und belastete den Erstangeklagten. "Ich habe mit der Sache nicht zu tun", sagte er zum Richter. Sie hätten nach Ungarn fahren wollen, um dort eine neue Ware zu kaufen, erzählte der 40-Jährige. "Aber er sagte, er wolle nach Österreich fahren." Und da er selbst noch nie in Österreich gewesen sei, habe er zugestimmt, so der Mazedonier. "Er ist dann bei der Tankstelle (in Wals, Anm.) ausgestiegen, nach zehn bis 15 Minuten kam er mit einer Tasche zurück. Dann sagte er mir, wir sollen einem Auto nachfahren." Als die Polizisten bereits in Sichtweite gewesen seien, habe der Bulgare noch versucht, die Tasche zu verstecken.

Ominöser Personalausweis

Bei der Verkehrskontrolle im Bereich der Autobahnabfahrt Salzburg-Süd bei Anif (Flachgau) wurde in dem Mercedes neben dem Falschgeld auch noch ein Personalausweis einer anderen Person sichergestellt. Laut Anklage hätten die Angeklagten den Ausweis mitgenommen, um ihn unter Umständen bei ihrem Falschgeldtransport einsetzen zu können. Doch beide Beschuldigte beteuerten, sie wüssten nicht, wie die Identitätskarte in das Auto gelangt sei.

Männer hatten Schulden

Die Verteidigerin des Erstangeklagten sagte, ihr Mandant habe sich zur Tat hinreißen lassen, es tue ihm sehr leid. Der Verteidiger des Zweitangeklagten, Franz Essl, forderte für den 40-Jährigen einen Freispruch. Essl hielt die Angaben des Erstangeklagten für nicht glaubwürdig, der Mann habe ja bereits mehrere Versionen abgeliefert. Die Schulden des 42-Jährigen, der diese mit 25.000 Euro beziffert hatte, seien wohl der Anlass für den Falschgeldtransport gewesen, vermutete der Rechtsanwalt. Allerdings hatte auch sein Mandant gegenüber dem Richter angegeben, dass er Schulden habe, und zwar in Höhe von 50.000 Euro.

Schuldsprüche

Die Angeklagten sind wegen Geldfälschung schuldig gesprochen worden. Der geständige Bulgare erhielt eine teilbedingte Haftstrafe von 20 Monaten, fünf Monate davon unbedingt. Die Strafe für den nicht geständigen Mazedonier fiel etwas höher aus: Er wurde zu 24 Monaten teilbedingt, davon acht Monate unbedingt, verurteilt. Vom Vorwurf der Urkundenunterdrückung wurde das Duo freigesprochen.

Dem Schuldspruch des Schöffensenates zufolge haben die Beschuldigten das Falschgeld bereits in Sofia übernommen. Das Urteil für den erstangeklagten Bulgaren ist noch nicht rechtskräftig, Verteidigerin Selale Hale Kacar erbat Bedenkzeit. Das Urteil für den Zweitangeklagten hat bereits Rechtskraft. Der Strafrahmen in dieser Causa betrug ein Jahr bis zu zehn Jahren Haft. Die beiden Angeklagten befanden sich bereits seit vier Monaten in U-Haft. (APA, 24.11.2015)

Share if you care.