Lungenentzündung: Kommunikation zwischen Bakterien hemmen

24. November 2015, 12:33
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Forscher arbeiten an medikamentösen Alternativen gegen resistente Bakterien

Saarbrücken – Für Infektionen wie Lungenentzündungen oder Keuchhusten sind Bakterien verantwortlich. Um diese Erkrankungen zu behandeln, kommen meist Antibiotika zum Einsatz. Das Problem: "Viele der Erreger bilden Resistenzen gegenüber diesen Medikamenten", sagt Rolf Hartmann vom Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung (HIPS) in Saarbrücken. Auch vonseiten der EU wurde kürzlich auf diese problematische Entwicklung hingewiesen. So warnte etwa der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, dass die Uhr in der Medizin um hundert Jahre zurückgedreht werden könnte, wenn diese Entwicklung nicht unter Kontrolle gebracht wird.

Wissenschaftler vom HIPS haben nun eine Studie veröffentlicht, in der die Kommunikation von Bakterien unter die Lupe genommen wurde. "Mikroorganismen können miteinander kommunizieren. Sie nutzen dazu Moleküle", sagt Hartmann. Das bedeutet konkret: Ein Bakterium gibt Moleküle an seine Umgebung ab. Diese Moleküle docken schließlich bei anderen Bakterien an spezifische Rezeptoren an. "Daraufhin bilden die Bakterien Moleküle, die den Menschen krank machen, sogenannte Pathogenitätsfaktoren", erläutert Hartmann.

Rezeptor blockieren

Die Saarbrücker Forscher untersuchten konkret das Bakterium "Pseudomonas aeruginosa", das unter anderem Lungenentzündungen, Harnwegs- und Hautinfektionen hervorrufen kann. Das Ergebnis der Studie: Auch diese Erreger bilden nach Kommunikation für den Menschen schädliche Eiweiß-Partikel. Den Forschern ist auch gelungen, einen Wirkstoff zu entwickeln, der die bakterielle Kommunikation unterbindet und die Bakterien unschädlich macht.

"Unsere Substanz blockiert einen Rezeptor, an den die Moleküle bei den Empfänger-Bakterien andocken", erklärt Hartmann. In Versuchen konnten die Pharmazeuten bereits nachweisen, dass die Bakterien nicht mehr gesundheitsschädlich sind, wenn sie dem neuen Wirkstoff ausgesetzt waren. In weiteren Studien muss nun die genaue Wirksamkeit weiter geprüft werden. (red, 24.11.2015)

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