Heinisch-Hosek: Bildungsaufstieg mit Gesamtschule ermöglichen

24. November 2015, 13:15
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Die Bildungsministerin hält Österreich für ein Vorbild bei den berufsbildenden Schulen. Nachholbedarf sieht sie bei der Bildungsmobilität und im Kindergarten

Wien – Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" zeigt, dass in Österreich nur 21 Prozent der jungen Erwachsenen einen besseren Bildungsabschluss haben als ihre Eltern. Ein Fünftel hat sogar einen schlechteren Abschluss. Den Grund in dieser "Abwärtsmobilität" sieht Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in der frühen Aufteilung der Schüler auf Neue Mittelschulen und Gymnasien im Alter von zehn Jahren. Dies würde die Weitergabe des Bildungsniveaus der Eltern an die Kinder fördern, sagte sie bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Einen Ausweg sieht die Ministerin in den geplanten Modellregionen zur Gesamtschule.

"Es ist wichtig und gut, dass wir die gemeinsame Schule der Sechs- bis 14-Jährigen erproben werden", sagte die Ministerin. Vorgesehen ist dies in der Bildungsreform, die letzte Woche präsentiert wurde. Man werde dort nach einiger Zeit sehen, ob sich die gemeinsame Schule auf die Bildungschancen auswirke. "Ich bin davon überzeugt."

Hohe Ausgangslage bei Bildungsniveau

Der Leiter der Abteilung Innovation und Fortschrittsmessung der OECD-Bildungsdirektion, Dirk van Damme, erklärt das schlechte Abschneiden Österreichs bei der Bildungsmobilität zwischen den Generationen etwas anders. Dass etwa Korea an der Spitze stehe, erkläre sich vor allem damit, dass das Land in den vergangenen zehn Jahren stark aufgeholt habe und das Bildungsniveau generell gestiegen sei. Österreich und Deutschland, die beide die geringste Mobilität aufweisen, hätten historisch bereits ein sehr hohes Level an Bildung. "Aber es gibt sicher Raum für Verbesserungen."

Nachholbedarf bei Kindergärten

Nachholbedarf sieht Heinisch-Hosek auch bei den Kleinsten. Die OECD-Studie zeige, dass die Betreuungsplätze für unter Dreijährige weiter ausgebaut werden müssen. Derzeit besuchen 34 Prozent der Zweijährigen eine Betreuungseinrichtung, im OECD-Durchschnitt sind es 39 Prozent. Einen ersten Schritt für eine bessere Betreuung von Kleinkindern habe man ebenfalls in der angekündigten Bildungsreform gesetzt. Vorgesehen ist darin ein verpflichtendes Kindergartenjahr für Vierjährige, allerdings mit Ausstiegsmöglichkeit.

Vorbild bei berufsbildenden Schulen

Eine Vorbildwirkung habe Österreich bei den berufsbildenden Schulen, sagte Heinisch-Hosek. "Unser berufsbildendes Schulwesen ist international top." Das Land habe immer noch im internationalen Vergleich eine geringe Arbeitslosenrate bei jungen Menschen, und "wir verlieren auch relativ wenige aus dem Bildungssystem in die Arbeitslosigkeit". Tatsächlich zeigt die Studie, dass hierzulande nur zwölf Prozent der 20- bis 24-Jährigen sogenannte "Neets" ("Not in education, employment or training") sind. Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Wert bei 17,9 Prozent.

Warnung vor Täuschung bei "Akademikerquote"

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) und die Arbeiterkammer (AK) warnten in Presseaussendungen vor einer Täuschung durch die statistisch höhere "Akademikerquote" und bemängelten die geringe Bildungsmobilität.

Wer welchen Bildungsweg einschlägt, entscheide sich in Österreich überdurchschnittlich stark durch die soziale Herkunft, kritisierte die ÖH in einer Aussendung. "Die Struktur in Österreich lässt nicht zu, dass Menschen die ins Hochschulsystem wollen, auch dahin gelangen. Vielmehr bleibt das Glück der Geburt ausschlaggebend."

Ähnlich äußerte sich Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske: "Wir müssen bei der Bildung alle mitnehmen." Er forderte dazu eine gesamtnationale Bildungsstrategie sowie eine Schulfinanzierung nach sozialen Kriterien. Außerdem will Kaske mehr verschränkte Ganztagsschulen sowie die Ermöglichung der Einrichtung von Modellregionen zur gemeinsamen Schule in ganzen Bundesländern.

Handlungsbedarf bei Ausgaben

Die Industriellenvereinigung (IV) ortete "dringenden Handlungsbedarf" in Sachen Bildungsausgaben. Das investierte Geld komme "nicht ausreichend bei den Schülerinnen und Schülern an, sondern versickert in der unübersichtlichen Schulverwaltungsstruktur", betonte Generalsekretär Christoph Neumayer. Alarmierend seien auch heuer wieder die Zahlen zu Bildungsmobilität und Bildungsaufstieg. (Lisa Kogelnik, 24.11.2015)

  • Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ): "Unser berufsbildendes Schulwesen ist international top."
    foto: standard/cremer

    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ): "Unser berufsbildendes Schulwesen ist international top."

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