Rohmilchkäse aus dem Internet: Teilweise mangelhaft

24. November 2015, 11:02
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Wiener Wissenschaftler haben Rohmilchkäse, der online angeboten wird, auf Keime überprüft – die Ergebnisse sind alarmierend

Wien – Besonders in der Vorweihnachtszeit läuft der Online.-Handel auf Hochtouren. Auch für Lebensmittel: Laut einer deutschen Marktstudie wandern bereits sechs Prozent aller frischen Lebensmittel über den Onlineladentisch, Tendenz steigend.

Forscher der Vetmeduni Wien haben nun 108 online erworbene Käseprodukte untersucht. Die Produkte kamen oft ungekühlt, in zwei wurden Listerien gefunden.

Getestet wurden Rohmilchkäse auf Keimbelastung, Versandbedingungen und Lebensmittelkennzeichnung. Mehr als die Hälfte der Produkte war bei der Lieferung nicht ordnungsgemäß gekühlt, zwei Erzeugnisse waren mit dem Krankheitskeim Listeria monocytogenes kontaminiert.

Hochrisikoprodukt: Rohmilchkäse

Dagmar Schoder vom Institut für Milchhygiene prüfte nun Rohmilchkäse via Internet-Shops. Er wird aus nicht pasteurisierter Milch hergestellt und birgt deshalb ein erhöhtes Risiko einer Kontamination mit Bakterien. Auf dem Prüfstand befanden sich 21 Online-Anbieter aus sieben europäischen Ländern. Konkret aus Frankreich, Italien, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Spanien und Belgien.

"Wir haben den Rohmilchkäse gewählt, weil es sich dabei um ein Hochrisikoprodukt handelt. Weil Rohmilch nicht pasteurisiert wird, kann sie mit gesundheitsschädlichen Keimen verunreinigt sein. Schon wenige Bakterien, die dann auf dem Käse ideale Wachstumsbedingungen vorfinden, können nach längerer Reifung, Lagerung und Transport auf eine kritische Menge anwachsen. Das Produkt ist dann nicht mehr genießbar und potenziell krankmachend. Deshalb muss bei der Herstellung, der Lagerung und beim Versand mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden", erläutert Schoder.

Listerien und Fäkalkeime

In zwei Käseprodukten aus Frankreich bzw. aus den Niederlanden fanden die Forscher den Krankheitskeim Listeria monocytogenes. Eine Infektion kann vor allem für immunschwache Menschen und Schwangere gefährlich werden. Die sogenannte Listeriose ist in Österreich meldepflichtig und kann im Extremfall tödlich verlaufen.

In 32 Produkten war der Fäkalkeim Escherichia coli nachweisbar, der auf mangelnde Hygiene bei der Produktion hindeutet. Immerhin: Salmonellen wurden in keiner Probe gefunden.

"Offensichtlich weisen einige käseproduzierende Betriebe Hygienemängel auf", sagt Schoder. "Konsumentinnen und Konsumenten rate ich zusätzlich, beim Online-Kauf genau darauf zu achten, ob ein Produkt ausreichend verpackt und gekühlt zu Hause ankommt."

Mangelnde Kennzeichnung

Die Versanddauer aller online bestellten Produkte lag zwischen einem und fünf Tagen. "Käse muss dabei auf alle Fälle gekühlt werden", betont die Wissenschftlerin. Das war bei 61,5 Prozent der Rohmilchprodukte jedoch nicht der Fall. "Wird Rohmilchkäse nicht gekühlt, wachsen Bakterien schneller. Ein langer Lieferweg und unsachgemäße Verpackung erhöhen das Risiko für Konsumentinnen und Konsumenten."

Lediglich 19 Käseprodukte (18 Prozent) erfüllten alle EU-Kennzeichnungskriterien (Richtlinie 2000/13/EG und Verordnung 853/2004). Bei 37 der bestellten Käse fehlte die Bezeichnung "Rohmilchkäse". Auf 43 Verpackungen war kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben und auf mehr als der Hälfte waren keine Empfehlungen zur Lagerung vermerkt. (APA, red, 24.11.2015)

  • Die Forscher fanden zwar keine Salmonellen, aber zwei Käsesorten waren mit Listerien kontaminiert. In 32 von 108 getesteten Produkten war der Fäkalkeim Escherichia coli nachweisbar.
    foto: apa/georg hochmuth

    Die Forscher fanden zwar keine Salmonellen, aber zwei Käsesorten waren mit Listerien kontaminiert. In 32 von 108 getesteten Produkten war der Fäkalkeim Escherichia coli nachweisbar.

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