Politiker gibt 35.000 Dollar aus, um Troll zu enttarnen

24. November 2015, 09:58
53 Postings

Nach mehreren Gerichtsprozessen musste der identifizierte Urheber des Postings zurücktreten

Ein US-amerikanischer Lokalpolitiker namens Bill Hadley hat mehr als 35.000 Dollar ausgegeben, um den Urheber eines Kommentars identifizieren zu können. Hadley war von dem Troll im Forum einer Lokalzeitung mit einem Pädophilen verglichen worden: "Schaut, was er für einen Ausblick auf die Grundschule hat". Hadley wollte diese Unterstellung nicht auf sich sitzen lassen und den Nutzer zur Verantwortung ziehen.

Mehrere Prozesse

Dieses Unterfangen führte zu mehreren Gerichtsprozessen: So musste Hadley zuerst den Betreiber des Forums, den Journal Standard, auf Herausgabe der IP-Adresse klagen. Anschließend musste er dieses Prozedere bei Provider Comcast wiederholen, was sich bis zum Höchstgericht des US-Bundesstaats Illinois zog. Doch ohne ein juristisches Unterfangen wäre die Identifikation unmöglich gewesen: Stephenson County – der Distrikt, in dem Hadley antritt – hat mehr als 37.000 Einwohner.

Rechtssprechung unklar

Die Frage, ob IT-Konzerne und Medieneigentümer die IP-Adressen ihrer Nutzer herausgeben müssen, ist schwierig zu beantworten. In den USA gibt es keine einheitliche Linie von Gerichten. Im Fall Hadley entschied das Gericht zur Veröffentlichung des IP-Adresseneigentümers. Kurioserweise handelte es sich um einen Staatsanwalt namens Frank Cook, der Hadley als Päderast beschimpft haben soll. Er ist mittlerweile zurückgetreten, ein Zivilprozess läuft. Ob Hadley von ihm mehr als die bisher ausgegebenen 35.000 Dollar erhält, ist fraglich. (red, 24.11.2015)

  • Trolle zu identifizieren wird immer öfter Aufgabe von Gerichten
    foto: reuters/matzen

    Trolle zu identifizieren wird immer öfter Aufgabe von Gerichten

Share if you care.