Sprengstoffgürtel in Pariser Vorort entdeckt

24. November 2015, 14:29
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Dasselbe Muster wie Gürtel bei Paris-Attentaten – Brüssel bleibt in Alarmbereitschaft, Schulen heute noch geschlossen – Anklage gegen einen Verdächtigen

Brüssel/Paris – In einem Vorort von Paris ist ein Sprengstoffgürtel gefunden worden. Das bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft laut "Spiegel Online" am Montag. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke hat den verdächtigen Gegenstand in Montrouge entdeckt. Der Gegenstand weise offenbar "die gleiche Anordnung" auf wie die Sprengstoffgürtel, welche die Attentäter gezündet hatten, hieß es aus einer anderen Polizeiquelle.

Brüssel bleibt in Alarmbereitschaft

Im Großraum Brüssel gilt indessen weiter die höchste Terrorwarnstufe. Das belgische Krisenzentrum verlängerte erneut die strikten Sicherheitsvorkehrungen, wie Regierungschef Charles Michel am Montagabend mitteilte. Die US-Regierung gab eine weltweit geltende Reisewarnung heraus.

In Brüssel bestehe immer noch eine "ernste und unmittelbare Bedrohung", sagte Michel nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Es gebe weiterhin konkrete Hinweise auf einen möglichen Anschlag. Den Brüsselern wird empfohlen, belebte Orte wie Einkaufszentren und Bahnhöfe zu meiden. Die Sicherheitsvorkehrungen gelten zunächst bis kommenden Montag, Schulen und die U-Bahn sollen aber bereits von Mittwoch an wieder öffnen. Im Rest Belgiens gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe drei.

Schon seit Samstag

Eine Woche nach den Pariser Anschlägen hatten die belgischen Behörden in der Nacht zum Samstag für den Großraum Brüssel die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Am Sonntag wurde sie bis Montag verlängert. Nach der erneuten Verlängerung am Montagabend bleiben Kinderkrippen, Schulen und Universitäten nun auch noch am Dienstag geschlossen.

Am Mittwoch sollen die Schulen aber "unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen" wieder öffnen, wie Michel sagte. Auch der U-Bahn-Verkehr in Brüssel werde "schrittweise" wiederaufgenommen. In den Straßen sollen weiterhin Polizisten und Soldaten patrouillieren.

Die belgische Generalstaatsanwaltschaft teilte unterdessen mit, gegen einen Verdächtigen, der bei Razzien am Sonntag festgenommen worden war, sei ein Strafverfahren eingeleitet worden. Er werde wegen eines "terroristischen Anschlags" und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung beschuldigt, erklärte die Staatsanwaltschaft. 15 weitere Verdächtige seien inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Fahndung nach Abdeslam

Weiterhin gefahndet wird nach dem seit den Anschlägen von Paris dringend gesuchten Salah Abdeslam. Der 26-jährige Franzose wird von den Ermittlern verdächtigt, bei den Anschlägen eine wichtige Rolle gespielt zu haben, möglicherweise als Logistiker. Sein Bruder Brahim sprengte sich während der Anschlagsserie in einem der angegriffenen Pariser Restaurants in die Luft. Wenige Stunden nach den Anschlägen mit 130 Toten soll sich Salah Abdeslam wieder nach Belgien abgesetzt haben.

Reisewarnung der USA

Das US-Außenministerium verwies in seiner Reisewarnung auf die jüngsten Anschläge in Frankreich, in der Türkei, in Mali und in Nigeria. "US-Bürger sollten wachsam sein, wenn sie sich an öffentlichen Plätzen aufhalten oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen", hieß es in der Mitteilung.

Die derzeit vorliegenden Informationen ließen den Schluss zu, dass extremistische Organisationen wie der "Islamische Staat" (IS), Al-Kaida oder Boko Haram weitere Anschläge "in vielen Regionen" der Welt planten. Das State Department warnte auch vor Angriffen "einsamer Wölfe", also von Attentätern, die keiner Organisation zuzurechnen sind, sich aber durch die Anschläge extremistischer Gruppierungen angestachelt fühlen.

Das US-Außenministerium gibt häufig Reisewarnungen für einzelne Länder heraus. Eine Warnung für alle Weltregionen hingegen ist selten. Bei der Anschlagsserie in Paris, zu der sich der IS bekannte, wurden am 13. November 130 Menschen getötet. Frankreich versucht seither, eine breite Militärallianz zu schmieden, um den IS in Syrien und im Irak zu bekämpfen. (APA, 24.11.2015)

  • Soldaten auf der Grand-Place in Brüssel am Montag.
    foto: apa/epa/olivier hoslet

    Soldaten auf der Grand-Place in Brüssel am Montag.

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