Nashorn-Ikone und Symbol für das Artensterben

23. November 2015, 18:18
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Nach dem Tod Nolas im Zoo von San Diego gibt es weltweit nur mehr drei lebende Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns

Bis Sonntag waren es noch vier. Doch an diesem 22. November musste Nola im Zoo von San Diego im stolzen Rhinozeros-Alter von 41 Jahren eingeschläfert werden. Seitdem existieren auf unserem Planeten vermutlich nur mehr drei lebende Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns, das als seltenstes Großsäugetier der Welt gilt.

Die letzten Lebensjahre verbrachte die Nashorndame im Safaripark des Zoos gemeinsam mit Büffeln, Giraffen und Gazellen. So wie die meisten Nashörner liebte sie Karotten und Äpfel und hatte nichts dagegen, wenn ihr Bauch oder Nacken vorsichtig gekratzt wurde. Nola galt indes auch als sehr unabhängig und aggressiv.

Geboren wurde das Breitmaulnashorn vermutlich 1971 im südlichen Sudan. Im Alter von 18 Monaten fing man das Jungtier in der Gegend des heutigen Shambe-Nationalparks, um es vor den Wilderern in Sicherheit zu bringen, die das Horn für hohe Summen nach Asien verkaufen, wo es als Heilmittel vermarktet wird.

Von Afrika ging es für Nola dann weiter in die damalige Tschechoslowakei: Bis 1989 lebte die junge Nashorndame im Dvur-Králové-Zoo, ehe man sie nach San Diego verlieh. 1996 kam dort kurzfristig Hoffnung auf, dass Nola sich mit Angalifu paaren könnte, einem der damals wenigen noch lebenden männlichen Artgenossen. Nola blieb lange standhaft, ehe es Tierärzten gelang, das Nashorn mit einem Hormoncocktail umzustimmen. Danach kopulierten die Tiere tatsächlich mehrere Male, doch der ersehnte Nachwuchs blieb aus. Vermutlich war Nola damals bereits zu alt, um noch fruchtbar zu sein.

In den letzten Monaten hatte sich der Gesundheitszustand des Breitmaulnashorns, das als größte Attraktion des Zoos von San Diego galt, rapide verschlechtert. Sie verlor den Appetit und wurde zunehmend apathisch. Am 13. November erfolgte eine Operation wegen eines Abszesses, doch Nolas Zustand blieb unverändert kritisch, weshalb sie am Sonntag von ihren Leiden erlöst wurde.

Ihre drei noch verbliebenen Artgenossen leben im Ol-Pejeta-Tierreservat in Kenia und werden rund um die Uhr geschützt. Biologen forschen nun an Möglichkeiten, Embryos der nördlichen Variante der Tierart von Weibchen ihrer südlichen Verwandten austragen zu lassen und diese quasi als Leihmütter zu nutzen. Einen solchen Zuchterfolg erwarten die Wissenschafter aber erst in frühestens zehn Jahren. (Klaus Taschwer, 24.11.2015)

  • Nashorn Nola ist nicht mehr.
    foto: ap/lenny ignelzi

    Nashorn Nola ist nicht mehr.

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