Innsbruck arbeitet Heimgeschichte im Theater auf

23. November 2015, 16:43
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Interviews mit Betroffenen wurden für die Bühne adaptiert

Innsbruck – Kinderfeindlich. Kalt. Menschenverachtend. Lieblos. Still. Das sind einige Adjektive, mit denen ein ehemaliges Heimkind die Zeit in der Innsbrucker "Kinderbeobachtungsstation" der Psychiaterin Maria Nowak-Vogl beschreibt. Der Historiker Horst Schreiber veröffentlichte Videos von Gesprächen mit 14 Tiroler Zöglingen – nun wurden diese für die Bühne adaptiert. "Mit dem Stück 'Jetzt reden wir!' sollen besondere Wege der Vermittlung von Sozialgeschichte beschritten werden", sagt Regisseurin Irmgard Bibermann.

Vor rund fünf Jahren begann die Stadt Innsbruck mit der Aufarbeitung seiner düsteren Heimgeschichte, der brutalen Erziehungsmethoden, der Gewalt. Mehr als 150 Betroffene hätten sich seither gemeldet, rund 125 Personen seien "Anerkennungszahlungen" zugesprochen worden. Die meisten Personen, die sich an die Stadt wandten, hätten von Vorfällen in den Sechziger- und Siebzigerjahren berichtet. Die jüngste Betroffene sei heute rund 30 Jahre alt.

"Augen nicht verschließen"

Die Opferschutzkommission bleibt weiterhin bestehen. Ziel des Aufarbeitungsprozesses sei es vor allem, "die Augen vor dem Geschehenen nicht zu verschließen", sagt Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck).

In der öffentlichen Betreuung von Heimkindern seien "in den Jahren von 1945 bis 1990 Fehler passiert", heißt es vonseiten der Stadt. Auf die Frage, was getan werde, um solche Vorfälle künftig zu verhindern, weist Oppitz-Plörer neben der "formellen Aufsicht" der Stadt auf die "wesentlich höheren" Ausbildungsstandards der Betreuer hin. (mika, 24.11.2015)

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