Rapid wirbt um den Fan als "InvesTor"

23. November 2015, 18:01
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Rapid GmbH versucht, mittels Schuldverschreibungen bis zu drei Millionen Euro von der "Familie" zu holen – Profibereich wird ausgegliedert

Wien – Im Spätsommer 2016 jährt sie sich zum 25. Mal, die Emission der legendären Rapid-Aktie. Das Papier zur kurz zuvor gegründeten Rapid Finanz-AG verkaufte sich damals wie warme Semmeln, die 45.000 Stück zum Nominale von 1000 Schilling (72,68 Euro) waren schneller an die Fans gebracht, als der seinerzeitige Star Fjörtoft Jan Age sagen konnte.

Leider entwickelte sich das Papier mangels Wertfundaments flott negativ. Als die Aktie infolge der Insolvenz der Rapid Finanz-AG vom Handel ausgesetzt wurde, notierte sie bei 354 Schilling (23,73 Euro), war aber unter grün-weißen Brüdern schon um 50 Schilling (3,63 Euro) zu haben.

Heute werden gut erhaltene, komplette (mit Gewinnanteilschein) Liebhaberstücke um rund 90 Euro gehandelt, was also rund 1238 Schilling entspräche – ein Gewinn immerhin, wenn auch über den Zeitraum nur ein sehr bescheidener.

Crowdinvesting "Rapid InvesTor"

Mehr verspricht da natürlich das Finanzierungsmodell, das der Rekordmeister aktuell der lieben "Rapid-Familie" schmackhaft machen will. Präsident Michael Krammer präsentierte am Montagabend im Vorfeld der Ordentlichen Hauptversammlung im Wiener Gasometer ein Crowdinvesting mit dem schmucken Namen "Rapid InvesTOR".

Keine Aktie, sondern eine Schuldverschreibung zugunsten der Rapid GmbH, um das Bauprojekt Allianz-Stadion – wie es in einer Aussendung heißt – "auf noch sicherere Schienen zu bringen".

Das Produkt rechtfertigt nur insofern die großen Worte – "neuer Höhepunkt des Jahrhundertprojekts Alte Heimat – Neues Zuhause" – als es für den österreichischen Fußball eine Novität ist, während sich etwa in Deutschland schon etliche Vereine über den Kartenverkauf und das Merchandising hinaus auf diese Art Fan-Gelder besorgen.

Maximal drei Millionen Euro

Die Rapid GmbH bietet über die Crowdinvesting-Plattform Conda.at Darlehen ab 100 Euro in drei Tranchen (maximaler Gesamtbetrag jeweils eine Million Euro) mit fünf, sieben oder neun Jahren Laufzeit. Die Basiszinssätze variieren dementsprechend: zwei, zweieinhalb und drei Prozent.

Dazu werden Bonuszinssätze abhängig vom sportlichen Erfolg in Aussicht gestellt. Die Gruppenphase der Europa League schlüge sich demnach mit einem Prozent, jenes der Champions League mit vier Prozent zu Buche.

Zinsen und ihre Voraussetzungen

Die Zinsauszahlung erfolgt im Dezember jedes Kalenderjahres, allerdings unter Voraussetzungen, von denen die Zahlungsfähigkeit wohl die wichtigste ist. Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist ebenso Voraussetzung für Finanzfreuden am Jahresende wie ein positives Eigenkapital.

Ersterer war schon 2014/15 gegeben, zweiteres nur für die GmbH, aber nicht für den Verein, der es aber in Aussicht stellt (Transfererlös Robert Beric!).

Sichere historische Aktie

Geschäftsführer Christoph Peschek nennt "Rapid InvesTOR" eine innovative Form der Veranlagung für Investoren, die ihr Vermögen mittel- bis langfristig veranlagen wollen, an den Erfolg des Klubs "glauben und einen Weg mit dem SK Rapid gemeinsam gehen möchten".

Ein gewisses Risiko besteht darin, dass es sich um qualifiziert nachrangige, unverbriefte, unbesicherte Darlehen handelt.

Ereilte den Verein neuerlich eine Insolvenz, wäre das Geld mit ziemlicher Sicherheit weg, da die Forderungen der Anleger erst nach den Forderungen aller nichtnachrangigen Gläubiger bedient würden.

Wer also mit Rapid nur auf Rendite aus ist, aber es für möglich hält, dass der Verein in ähnliche Schwierigkeit wie vor bald 25 Jahren geraten könnte, ist mit dem Kauf historischer Aktien vermutlich besser beraten.

Profi-Abteilung wird ausgegliedert

Ebenfalls am Montag wurde bekannt, dass Rapid den Profibetrieb ab 30. Juni 2016 in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern wird. In zwei, drei Jahren werde man evaluieren, ob diese Gesellschaftsform noch immer das Richtige sei. Rapid bleibe hundertprozentiger Eigentümer. "Es wird keine Beteiligung geben. Das gewählte Präsidium stellt somit die Gesellschaftsvertretung und kontrolliert auch im Sinne der Mitglieder die GmbH", so Präsident Krammer. (lü, aha, 23.11.2015)

  • Rapids Präsident Michael Krammer mit der sportlichen Säule Steven Hofmann. Für das Stadion braucht es noch eine finanzielle Säule.
    foto: apa/pfarrhofer

    Rapids Präsident Michael Krammer mit der sportlichen Säule Steven Hofmann. Für das Stadion braucht es noch eine finanzielle Säule.

  • Die schmucke Rapid-Aktie aus dem Herbst 1991 brächte besonders stolzen und standhaften Besitzern doch noch bescheidenen Gewinn.
    foto: archiv

    Die schmucke Rapid-Aktie aus dem Herbst 1991 brächte besonders stolzen und standhaften Besitzern doch noch bescheidenen Gewinn.

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