Ukraine stellt Warenverkehr zur Krim vorerst offiziell ein

23. November 2015, 18:20
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Premier will auch Stromliefervertrag mit Krim-Behörden beenden – Reparatur gesprengter Stromleitungen verhindert

Kiew – Nach wochenlanger Blockade der Krim durch ukrainische Aktivisten hat die Regierung in Kiew den Warenverkehr zu der von Russland annektierten Halbinsel vorerst offiziell unterbrochen. Regierungschef Arseni Jazenjuk ordnete bei einer Sondersitzung des Kabinetts am Montag in Kiew an, eine Liste mit Waren zu erstellen, die blockiert werden.

Aktivisten sperren bereits seit mehr als zwei Monaten den Güterverkehr vom ukrainischen Kernland auf die Krim. Der Zugverkehr war bereits im Dezember 2014 – wenige Monate nach der russischen Annexion – eingestellt worden. Jazenjuk sprach sich zudem dafür aus, einen Stromliefervertrag mit den Krim-Behörden zu beenden.

Vorerst keine Reparatur gesprengter Stromleitungen

Ukrainische Nationalisten und Krim-Tataren haben indes die Reparatur gesprengter Stromleitungen zur Krim verhindert. Gespräche über die Wiederherstellung der Lieferungen könnten erst dann beginnen, wenn auf der Halbinsel festgehaltene politische Gefangene freigelassen würden, sagte ein ranghoher Vertreter der Krim-Tataren, Mustafa Dschemilew, am Montag.

Am Wochenende hatten bisher Unbekannte vier Strommasten in der Region Cherson, die von der Regierung in Kiew kontrolliert wird, zerstört und damit die Stromversorgung der Krim unterbrochen. Die Blockierer bestreiten, für die Anschläge auf die Stromversorgung verantwortlich zu sein.

Notversorgung aus Russland

Die Reparaturteams stünden bereit, sagte ein Vertreter des regionalen Energieversorgers Ukrenergo. Alles hänge von Verhandlungen der Blockierer mit den Behörden ab. Auf der Krim leben rund zwei Millionen Menschen. Das russische Energieministerium erklärte, eine Notversorgung sei eingerichtet. Russland hat in diesem Jahr damit begonnen, Unterseekabel auf die Krim zu verlegen. Bis 2020 soll der Strombedarf vollständig aus Russland gedeckt werden.

Das Gebiet war nach einer international nicht anerkannten Volksabstimmung im März 2014 von Russland annektiert worden. Insbesondere die muslimischen Krim-Tataren wehren sich dagegen. Sie fühlen sich von den russischen Behörden diskriminiert. Die Halbinsel wird auch nach der Annexion weiter von der Ukraine aus mit Strom versorgt. (APA, 23.11.2015)

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