Anzeige gegen Dornbirner Schlachthof wegen Tierquälerei

23. November 2015, 14:51
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Grüne und Oppositionsparteien fordern restlose Aufklärung und Rücktritt des zuständigen Stadtrats Moosbrugger

Bregenz – Der Dornbirner Schlachthof beschäftigt erneut die Vorarlberger Landespolitik. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Grüne, FPÖ, SPÖ und Neos forderten daraufhin eine restlose Aufklärung und den Rücktritt des zuständigen Stadtrats Josef Moosbrugger. Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) versprach indes Konsequenzen.

Laut VGT sollen im Dornbirner Schlachthof, der der Stadt gehört, ungerechtfertigt Elektroschocker und Betäubungszangen gegen Schlachtvieh eingesetzt worden sein. Untermauert werden diese Behauptungen mit Videos, die dem Verein vorliegen. Insgesamt seien dem VGT rund 3.000 Stunden Videomaterial aus 20 österreichischen Schlachthöfen zugespielt worden, insgesamt 17 hat der Verein nach deren Sichtung angezeigt. Kritisiert wurde unter anderem die Art und Weise, wie Tiere in manchen Schlachthöfen vor ihrer Tötung betäubt werden, darunter auch Dornbirn.

"Konsequente Überprüfung"

Vorsäumnisse dieser Art dürften nicht akzeptiert werden, sagte der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) und kündigte eine konsequente Überprüfung der Vorfälle an. Außerdem habe er die Behörde beauftragt, ein Strafverfahren einzuleiten. "Nach diesen Vorfällen kann man nicht zur Tagesordnung übergehen", stellte Schwärzler fest. Zukünftig werde es wöchentlich eine Kontrolle des Dornbirner Schlachthofes durch den Amtstierarzt geben. Dieser müsse ihm danach jeweils einen Tierschutzkontrollbericht vorlegen. Zudem seien die zwei amtlichen Tierärzte, die bei Schlachtungen anwesend seien, aufgefordert worden, ein noch stärkeres Augenmerk auf den Tierschutz zu legen. Das Schlachtpersonal werde in puncto Tierschutz nachgeschult.

"Armutszeugnis"

Scharfe Kritik kam in dieser Sache von den Grünen und den Oppositionsparteien. Sowohl die Grünen-Tierschutzsprecherin Nina Tomaselli als auch ihre Kolleginnen von den Freiheitlichen und den Neos, Nicole Hosp und Martina Pointner, forderten restlose Aufklärung und schärfere Kontrollen. Alle drei zeigten sich schockiert über die Bilder aus Dornbirn. Das Quälen von Tieren habe nichts zu tun mit dem Ziel, Tierschutzland Nummer eins zu werden, und gehöre sofort abgestellt, ärgerte sich Tomaselli. Gabi Sprickler-Falschlunger, Tierschutzsprecherin der SPÖ, bezeichnete die Szenen auf Video als "Armutszeugnis".

Pointner, Hosp und der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Daniel Zadra, machten für die Vorkommnisse den zuständigen Stadtrat und Landwirtschaftskammerpräsidenten Moosbrugger verantwortlich, der auch als Obmann der Ländle Vermarktungs GmbH Bescheid über die Zustände in der stadteigenen Schlachtung wissen müsse. "Mir kann niemand erzählen, dass Herr Moosbrugger keine Ahnung davon hat, was im Schlachthof Dornbirn passiert", sagte Pointner und forderte ebenso wie Zadra und die FPÖ-Tierschutzsprecherin dessen Rücktritt.

Verwundert über Rücktrittsaufforderung

Moosbrugger zeigte sich bezüglich der Rücktrittsaufforderungen "verwundert". Er sei nicht derjenige, der die Schlachtungen vollzieht und umsetzt und müsse sich auf das Personal verlassen können. Konsequenzen würden die Videos aber auf jeden Fall haben, so Moosbrugger. Er sei selbst sehr erschrocken gewesen, sagte er gegenüber der APA.

Erst Anfang Oktober waren der Schlachthof Dornbirn und der Landwirtschaftskammerpräsident mit negativen Schlagzeilen in den Medien präsent. Dabei ging es um einen Viehtransport nach Graz, der in der Art nicht stattfinden hätte dürfen. 21 Rinder wurden über mehrere Stunden lebend zum Schlachten quer durch Österreich gefahren. Moosbrugger hatte damals eingeräumt, dass der Transport kritisch gesehen werden könne, und versichert, dass es keine Lebendlieferungen mehr nach Graz geben werde. (APA, 23.11.2015)

  • Laut VGT sollen im Dornbirner Schlachthof, der der Stadt gehört, ungerechtfertigt Elektroschocker und Betäubungszangen gegen Schachtvieh eingesetzt worden sein.
    foto: dpa/david ebener

    Laut VGT sollen im Dornbirner Schlachthof, der der Stadt gehört, ungerechtfertigt Elektroschocker und Betäubungszangen gegen Schachtvieh eingesetzt worden sein.

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