Polnische Regierung wollte Jelinek-Stück verhindern

23. November 2015, 14:12
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Kulturminister Glinski kritisierte Inszenierung von "Der Tod und das Mädchen" in Breslau als Verstoß gegen die Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens

Breslau – Polens neue konservative Regierung hat wenige Tage nach Amtsantritt versucht, die Aufführung von Elfriede Jelineks Drama "Der Tod und das Mädchen" im staatlichen Teatr Polski (Polnisches Theater) in Breslau zu verhindern. Grund waren angebliche sexuelle Handlungen auf der Bühne, zitiert die Kathpress am Montag polnische Medien.

Die Inszenierung verstoße laut Kulturminister Piotr Glinski gegen "Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens". In dem Stück, von dem es auch eine Opernfassung der Grazer Komponistin Olga Neuwirth gibt, geht es um einen Mutter-Tochter-Konflikt, um die erlittene und weitergegebene Dressur des Menschen sowie um körperliche, psychische und sexuelle Gewalt.

Auch ein Sprecher der Erzdiözese Breslau, Rafal Kowaklski, protestierte gegen den Auftritt von "ausländischen Pornodarstellern", waren für das Stück doch tschechische Schauspieler engagiert worden. Die Freiheit der Kunst sei nicht grenzenlos, so Kowaklski. Die Würde des Menschen müsse respektiert werden.

Die Premiere fand am Samstagabend aber dennoch statt. Rund 20 Demonstranten versuchten nach Polizeiangaben vor der Aufführung den Zutritt zum Theater zu blockieren. Einige von ihnen seien vorübergehend festgenommen worden. Der Chef des Breslauer Theaters, Krzysztof Mieszkowski, forderte den Rücktritt des Kulturministers und warf Glinski einen präzedenzlosen Zensurversuch vor.

Das staatliche Fernsehsender TVP suspendierte unterdessen eine Nachrichtenmoderatorin. Sie hatte dem Minister am Sonntag in einem Interview kritische Fragen zu seiner zensurfreudigen Haltung gestellt. (APA, 23.11.2015)

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