Wintersachen: Fett sein dürfen

Kolumne23. November 2015, 14:21
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Endlich sind die Temperaturen so, dass Cremen reichhaltig sein dürfen – warum das auch eine gute Nachricht für Punschler ist

Es gibt wohl eintrainierte und jedes Jahr wieder auf Neue durchgespielte Rituale. Zwei Mal in zwölf Monaten steht bei mir Wintersachen-Sommersachen am Programm. Ist eigentlich nicht besonders schwer zu begreifen und hat mit der Architektur meiner Kästen zu tun. Pars pro toto gesprochen: Die Stiefel werden rausgeholt, die Sandalen in Kisten verpackt. Dito wird mit Wintermänteln und T-Shirts oder Handschuhen und Bikinis verfahren. Ciao: Bis zum nächsten Frühjahr.

Dieses alljährliche Wechselbad lässt sich auch in vielen anderen Lebensbereichen durchspielen. Rote Rüben statt Tomaten, Kuscheldecken statt Gartenmöbel – und eben die fetten Cremen statt der leichten Gels und Fluids.

In einer Schutzhülle

Vor knapp einem Jahr wurde die Parfümerien von Gesichtsölen überschwemmt. Jetzt dürfen Sie endlich auf die Haut. Sie machen das, was gerne als "Glow" bezeichnet wird. Also keine schuppige Trockenheit, sondern wohl genährte Glätte.

Manchmal halte ich es, was meine eigenen Erklärungsmuster anbelangt, mit der Natur: Wenn ich den Enten im Stadtpark zusehe und weiß, dass ihr fettig glänzendes Gefieder sie für die kalten Temperaturen total unempfindlich macht, dann wünsche ich mir einen ähnlichen Schutz.

Im Sinne von Sommersachen-Wintersachen sind jetzt also die molligen Cremen angesagt. Die, bei denen man den Finger reinsteckt, und ein Abdruck drinnen bleibt. Die, die man eine Zeitlang einmassieren muss, damit sie einziehen. Die, die nicht mehr zitrusfrisch riechen, sondern irgendwie anders eben. Warm, würde ich sagen. Oder Öl: So unerträglich es im Sommer ist, so herrlich ist es jetzt.

Fürs Punscheln gerüstet

Wer hautmäßig fett ist, dem ist die trockene Heizungsluft im Büro genauso egal wie die kalten Temperaturen draußen. Streng genommen haben Städter mit Kälte ja eigentlich weniger zu tun. Ganz akut allerdings schon an den hunderten Punschständen, die gerade eben aus dem Boden gewachsen sind.

Das Trinken von heißem Alkohol gehört ebenfalls in die Kategorie Wintersachen-Sommersachen – auf städteorganisatorischem Niveau. In der Kälte stehen, zuerst frieren, dann trinken, die innere Wärme spüren und wissen, dass die kalte Nasenspitze gut eingeschmiert ist. Fett sein dürfen für den guten Zweck: Im Jänner ist es dafür meistens zu spät. (Karin Pollack, 23.11.2015)

  • Jetzt sind die richtig fetten Cremes angesagt.
    foto: petra eder

    Jetzt sind die richtig fetten Cremes angesagt.

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