Thrombozyten fördern Regenerationsprozess der Leber nach Operationen

23. November 2015, 12:39
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Forscher der MedUni Wien klärten einen wichtigen Mechanismus auf, der zur besseren Regeneration von Lebergewebe eingesetzt werden könnte

Eine Forschergruppe der MedUni Wien hat herausgefunden, dass bestimmte thrombozytäre Wachstumsfaktoren von großer Bedeutung für die Regenerationsprozesse der Leber sind. So konnte bei Patienten mit operativen Teilentfernungen der Leber gezeigt werden, dass Thrombozyten das Nachwachsen des Lebergewebes begünstigen. Auch können diese als Ansatzpunkt für die Vorhersage von möglichen postoperativen Störungen herangezogen werden. Die Studie wurde im Fachjournal "Hepatology" publiziert.

Thrombozyten sind essentiell an Wundheilungsprozessen beteiligt. Sie können gezielt wichtige Wachstumsfaktoren am Ort der Verletzung absondern und damit Regenerationsprozesse des verletzten Gewebes in Gang setzen. In der aktuellen Studie konnten die Wissenschafter zeigen, dass die spezifische Freisetzung von Wachstumsfaktoren aus den α-Granula mit der postoperativen Leberregeneration assoziiert war.

Thrombozyten zur Regeneration

Bereits 2014 hatten die Autoren der vorgestellten Arbeit gezeigt, dass in Thrombozyten gespeichertes Serotonin die postoperative Leberregeneration entscheidend beeinflussen kann. Serotonin ist in den elektronendichten Granula (Speicherorganellen) von Thrombozyten gespeichert und wird bei Aktivierung abgesondert.

Im Zuge der Thrombozytenaktivierung wird auch der Inhalt einer zweiten Art von Granula freigesetzt, die sogenannten α-Granula. Nun konnte zum ersten Mal eine hoch selektive Freisetzung von α-Granula in vivo nachgewiesen und eine daraus resultierende pathophysiologische Konsequenz aufgezeigt werden.

Diese Granula enthalten sowohl wachstumsfördernde, wie auch wachstumshemmende Faktoren. In vitro-Daten der vergangenen Jahre konnten zeigen, dass Thrombozyten nicht, wie bisher angenommen, nur in einem aktivierten oder nicht aktivierten Zustand vorliegen können, sondern dass sie abhängig vom zugrundeliegenden Stimulus in der Lage sind, wachstumsfördernde oder wachstumshemmende Faktoren sehr spezifisch freizusetzen. Ob dieser Mechanismus auch in vivo eine Rolle spielt und pathophysiologische Konsequenzen hat, war bisher nicht bekannt

Hohes Regenerationspotenzial

Die Leber ist das einzige Organ, das sich – auch nach größeren Schäden oder teilweisen operativen Entfernungen (Resektionen) – selbst regenerieren kann. Bis zu 75 Prozent des Lebergewebes können entfernt werden, ohne dass die Stoffwechselfunktionen dauerhaft gestört werden.

Dieses enorme Regenerationspotenzial der Leber und fortschreitende Entwicklungen im Bereich der Leberchirurgie erlauben es, dass selbst bei PatientInnen mit eingeschränkter Leberfunktion aufwändige Resektionen durchgeführt werden können. Allerdings tritt auch heute noch bei einem gewissen Prozentsatz eine postoperative Störung der Leberfunktion auf. Diese Leberinsuffizienz kann sich zu einer lebensbedrohlichen Komplikation entwickeln und ist mit einer relativ hohen Mortalität assoziiert. Die genauen Ursachen für ein Leberversagen sind bisher nur teilweise geklärt.

Zusammenhang mit Blutdruck

Die Wissenschafter konnten nun auch zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen thrombozytären Wachstumsfaktoren und Lebervenenblutdruck besteht. Eine vorbestehende Lebererkrankung, die zu Veränderungen des Lebervenenblutdrucks führt, gilt als Risikofaktor für postoperative Komplikationen. "Wir konnten zeigen, dass bei Patienten mit hohem Lebervenenblutdruck die Freisetzung von wachstumsfördernden Substanzen unterdrückt und vermehrt wachstumshemmende Faktoren freigesetzt werden", sagt Studienleiter Patrick Starlinger vom Insitut für Chirurgie der MedUni Wien.

Die gewonnen Erkenntnisse könnten einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung neuer Therapiestrategien liefern, um eine verbesserte Leberregeneration nach Leberresektionen zu gewährleisten und damit auch das Risiko für das Auftreten eines bis dato nicht behandelbaren Leberversagens zu senken. (red, 23.11.2015)

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