Presserat rügt "Gailtal-Journal" wegen Bordellwerbung

23. November 2015, 12:16
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Beitrag über das "Erotikhotel Wellcum" sei nicht ausreichend als Werbung gekennzeichnet und diskriminierend.

Wien – Ein Text in der Gratis-Zeitung "Gailtal-Journal" wurde laut Presserat nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet und diskriminiere die dort beschäftigten Prostituierten. Die "Reportage" über das "Erotikhotel Wellcum" wurde im Juni von zwei Autorinnen des "Gailtal-Journals" geschrieben und namentlich gekennzeichnet. Der Text ist online verfügbar (NSFW).

Der Text preist das Etablissment als lokalen Arbeitgeber, seine Ausstattung und die Schönheit der Frauen, die dort arbeiten ("Eine schöne wie die andere!"). Das Fazit der beiden Autorinnen endet mit der allgemeinen Einschätzung: "… und gäbe es nicht solche 'Damen', wären wahrscheinlich viel mehr Sexualverbrechen an der Tagesordnung".

"Frauen in erster Linie als Objekt beschrieben"

Der Presserat sieht Verstöße gegen die Unterscheidbarkeit von Werbung und redaktionellem Inhalt, weil die Kennzeichnung als Anzeige "derart klein ausgefallen ist, dass viele Leserinnen und Leser dies übersehen", der "Werbecharakter des Beitrags wurde offenbar bewusst verschleiert".

An anderer Front kritisiert das Selbstkontrollorgan die "herabwürdigende Herangehensweise" der Anzeige: "Anstatt Prostituierte als Dienstleisterinnen zu behandeln, die nicht sich selbst, sondern lediglich ihre sexuellen Dienste verkaufen, werden Frauen in erster Linie als Objekt beschrieben." Der Presserat hat das Blatt zur freiwilligen Veröffentlichung der Entscheidung aufgefordert.

"Gailtal-Journal"-Geschäftsführerin Ruth Rauscher, die auch Co-Autorin des Werbetexts ist, wollte sich auf STANDARD-Anfrage nicht zum Fall äußern. (sefe, 23.11.2015)

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