Kraft als bester Österreicher Sechster

22. November 2015, 16:15
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Saisonauftakt in Klingenthal geht überraschend an Norweger Daniel Tande

Klingenthal – Österreichs Skispringern ist es nicht gelungen, dem Podestplatz im Teambewerb beim Weltcup-Auftakt in Klingenthal am Sonntag im Einzel einen weiteren folgen zu lassen. Doch wie vor einem Jahr war es Stefan Kraft, der mit Platz sechs nach dem 14. Zwischenrang aufzeigte. Der 21-jährige Norweger Daniel-Andre Tande war der Überraschungssieger vor Peter Prevc (SLO) und Severin Freund (GER).

Kraft segelte nach dem Durchschnittssprung von 126 Metern im Finale auf 142,5 m und sorgte damit für zweitbeste Weite des Tages. Dieser Sprung zeigte das Potenzial des Vierschanzen-Tourneesiegers und Weltcup-Gesamtdritten der abgelaufenen Saison. "Ich bin jetzt mit dem zweiten Durchgang so happy. Ich weiß gar nicht mehr, was im ersten war. Es hat mich richtig angezipft, dass ich da so einen lauwarmen Sprung gebracht habe", sagte Kraft, der in der Vogtland-Arena schon vor einem Jahr als Zweiter bester ÖSV-Adler gewesen war.

Wind und die neue Regel

Am Ende fehlten Kraft dann sogar nur 3,1 Punkte auf das Podest. Grundsätzlich, so der Salzburger, sei der erste Bewerb mit den Windunterbrechungen nicht so einfach gewesen. "Mit der neuen Regel steht man dann doch fünf Minuten mit Keilen drinnen da und man darf nichts angreifen", erzählte Kraft.

Kraft war der einzige Österreicher in den Top Ten: Der nach dem ersten Sprung einer von stark drehenden Winden geprägten Konkurrenz bestplatzierte Gregor Schlierenzauer fiel nach dem 130 m-Sprung mit 119,5 Metern auf Platz 17 zurück.

Der erste Durchgang war für Schlierenzauer "für meine Verhältnisse eine Steigerung", doch im zweiten bekam der 53-fache Weltcupsieger wieder einen Dämpfer. "Ich war am Tisch viel zu früh, da gewinnst du natürlich nichts mehr, das ist klar." Die Bedingungen sind freilich auch nicht förderlich, wenn man noch nach dem richtigen Setup sucht. "Wenn man nicht in Topform ist, ist es natürlich nicht einfach, aber das Problem haben eh mehrere."

Noch nicht ganz

Unmittelbar dahinter landete Michael Hayböck. "Sicher wäre es mir lieber gewesen, wenn ich gleich in die Top Ten reingesprungen wäre. Es war noch nicht ganz drinnen", sagte der Oberösterreicher. "Es war jetzt nicht schlecht, ich merke, dass nicht viel fehlt", hat Hayböck nach Sprüngen auf 129 und 123 m Hoffnung.

ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin hofft auf die Zugkraft seines aktuellen besten Manns. Der 142,5-m-Flug Krafts hat auch den 44-jährigen Kärntner erleichtert. "Er soll der ganzen Mannschaft die Kraft geben, weil er hat jetzt im zweiten Durchgang das gezeigt, was er in der letzten Zeit in Oberstdorf gezeigt hat."

Und dies, so Kuttin nach dem Auftaktbewerb seiner zweiten Saison als ÖSV-Cheftrainer, müsse für das ganze Team gelten. "Die Sprünge der anderen waren absolut nicht auf dem Niveau, was wir in Oberstdorf gehabt haben. Man hat gesehen, wenn du nicht frei bist und nicht richtig Gas gibst, hast bei den schwierigen Verhältnisse null Chance", konstatierte der Kärntner.

"Frei" im Kopf waren andere. Und doch kam es nicht zum Sieg eines der favorisierten Springer Prevc, Freund oder Richard Freitag, der seinem Landsmann Freund um einen Zehntelpunkt als Vierter den Vortritt auf das Podest geben musste.

Plötzlich Tande

Völlig unerwartet holte sich Tande im Alter von erst 21 Jahren seinen ersten Weltcupsieg. War der 142-m-Flug im ersten Durchgang noch den guten Bedingungen zugeschrieben worden, so bestätigte der als Zweiter ins Finale gegangene Norsker, dass da weit mehr dahinter steckt. Tande landete bei 140,5 Metern und verwies Prevc um 3,1 Zähler auf Platz zwei. Freund hatte mit 16,1 Punkten Rückstand auf den Slowenen schon einen Respektsabstand.

"Es ist wirklich ein spezieller Moment für mich, ich genieße es", freute sich Tande, der zum jüngsten norwegischen Weltcupsieger seit 2008 (Tom Hilde/20 Jahre) avancierte. "Mein Ziel war es, den guten Sommer fortzusetzen. Ich wusste, dass ich gut genug für die Top Ten bin, darauf hatte ich gehofft", erklärte Tande.

Der Weltcup-Tross übersiedelt nun sozusagen in den Winter. Österreichs gleichbleibendes Sechs-Mann-Team reist am Mittwoch nach Finnland, wo am Freitag und Samstag in Kuusamo zwei Einzel auf dem Programm stehen. (APA, 22.11. 2015)

  • Es zieht.
    foto: apa/afp/robert michael

    Es zieht.

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