Der Ermittlungsstand in Paris, Brüssel und Hannover

22. November 2015, 15:25
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Suche nach Salah Abdeslam läuft weiter auf Hochtouren – Unklarheit über Ausmaß der Gefahr in Hannover

Paris/Brüssel/Berlin – In Frankreich, Belgien und Deutschland laufen nach der Terrorserie von Paris die Ermittlungen. Wie viele Täter beteiligt waren und wie viele noch auf freiem Fuß sind, bleibt unklar. Ebenso die Hintergründe des Terrorverdachts, der zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover führte. Eine Übersicht:

PARIS:

  • Der mutmaßliche Organisator der Attentate in Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist am Mittwoch beim Polizeieinsatz im Vorort Saint-Denis getötet worden. Er war den Geheimdiensten bekannt. Ob der 28-Jährige einer der Attentäter war oder welche genaue Rolle er hatte, ist unklar. Französischer Ermittler zogen die These, Abaaoud sei die zentrale Figur bei der Planung der Anschläge am Samstag in Zweifel.

  • Offen ist, wie viele Terroristen und Komplizen es insgesamt gab – und damit auch, wie viele Täter noch auf freiem Fuß sind. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass bei den Anschlägen selbst drei Kommandos mit je drei Terroristen zur Tat schritten. Sieben Attentäter starben, mindestens ein weiterer muss offenbar überlebt haben – ein schwarzer Seat, der bei den Anschlägen in den Innenstadt verwendet wurde, wurde danach in der Nähe einer Metro-Station gefunden. Zeugenaussagen legen nahe, dass es sich bei den unmittelbar an den Attentaten Beteiligten um drei Dreier-Teams gehandelt haben könnte.

  • Einer der getöteten Attentäter vom 13. November sowie der in der attackierten Wohnung von Saint-Denis getötete Mann sind noch nicht identifiziert. Für die DNA des Mannes aus der Wohnung konnte die Polizei bisher keine Entsprechung in ihren Datenbanken finden. Ob der unbekannte Mann, oder die Cousine von Abdelhamid Abaaoud, Hasna A., bei der Erstürmung eine Sprengweste zündeten, ist ebenfalls noch unklar. Als wahrscheinlicher gilt derzeit aber, dass das Mann der Täter war.

  • Mindestens ein Terrorverdächtiger ist auf der Flucht: Der 26-jährige Saleh Abdeslam, ein Bruder eines der Selbstmordattentäter, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er war vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich. Dabei soll er von zwei Männern begleitet worden sein. Die Ermittlungen laufen sehr intensiv, Ergebnisse gebe es noch nicht, hieß es am Donnerstag aus dem Innenministerium.

BRÜSSEL:

  • Die Brüsseler Polizei suchte am Wochenende mit Hochdruck nach mindestens zwei potenziellen Terroristen, die in der belgischen Hauptstadt Anschläge geplant haben sollen. Einer davon ist Salah Abdeslam, der aus dem Stadtteil Molenbeek stammt.

  • Wie viele Komplizen der Pariser Attentäter sich noch in Belgien aufhalten, ist unbekannt. Gegen drei Verdächtige wurde Haftbefehl erlassen, darunter Mohammed A. und Hamza A., die Salah Abdeslam von Paris nach Brüssel gefahren haben sollen. Aufgrund der Aussage von Hamza A., Salah sei "sehr gefährlich und ganz schön wütend", ist die Polizei in Alarmbereitschaft.

HANNOVER:

  • Nach der Absage des Länderspiels Deutschland – Niederlande wegen Terrorgefahr gibt es noch keine Klarheit darüber, ob eine Gruppe einen Anschlag geplant hat. Sicherheitskreisen zufolge muss weiter ermittelt werden.

  • Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete hingegen, der französische Geheimdienst habe dem deutschen Verfassungsschutz mitgeteilt, eine Terroristengruppe wolle fünf Bomben an verschiedenen Orten in der niedersächsischen Hauptstadt zünden. Diese sei der Polizei entkommen und derzeit flüchtig.

  • Nach einem Bericht des ZDF haben die Sicherheitsbehörden hingegen keine Hinweise, dass tatsächlich eine Terrorzelle mit Anschlagsplänen in Hannover existiert. Ein verdächtiges Objekt, das am Hauptbahnhof Hannover in der Nacht des abgesagten Spiels für Aufregung gesorgt hatte, stellte sich als Paket mit Elektrobauteilen heraus, das ein Ingenieur im Zug vergessen hatte. (APA, mesc, 22.11.2015)
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