Laut US-Behörden weitere 75.000 Autos betroffen

21. November 2015, 09:17
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Volkswagen legt ersten Rückrufplan vor

Wolfsburg/Washington – Im Abgas-Skandal von Volkswagen sind rund 75.000 zusätzliche Autos ins Visier der US-Aufseher geraten. Vertreter des Konzerns hätten bei einem Treffen eingeräumt, dass sämtliche Diesel-Fahrzeuge der Marken VW und Audi mit 3,0-Liter-Motoren aus den Modelljahren 2009 bis 2016 mit einer verdächtigen Software ausgestattet seien, teilten die Umweltbehörden EPA und CARB am Freitag mit.

Bei den betroffenen Fahrzeugen handelt es sich der EPA zufolge um den Volkswagen Touareg und den Porsche Cayenne sowie um verschiedene Luxusmodelle von Audi. Bereits am 2. November hatten die Umweltbehörden VW und die Konzerntöchter mit einem entsprechenden Verdacht konfrontiert. Bisher war in diesem Fall aber nur wegen etwa 10.000 Wagen der Baujahre 2014 bis 2016 ermittelt worden.

Andere Software

Die Software ist allerdings eine andere, als die bereits als Schummelprogramm ("Defeat Device") überführte, deren manipulativen Einsatz bei Emissionstests von etwa 480.000 Diesel-Fahrzeugen mit 2,0-Liter-Motoren VW bereits im September eingestanden hatte. Die zweite verdächtige Software wird "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) genannt und betrifft auch die VW-Premiummarke Porsche. Ob es sich dabei um ein Schummelprogramm handelt, muss sich erst zeigen.

Die neuen Vorwürfe gegen VW bezögen sich zunächst vor allem auf Fehler im Zertifizierungsverfahren, sagte ein CARB-Sprecher auf Nachfrage. Der deutsche Autobauer habe es versäumt, den US-Behörden den Einbau der strittigen Software vorschriftsgemäß zu melden. Das heiße jedoch nicht, dass dieses Programm der Manipulation dienen müsse. Ob das der Fall sei, werde noch geprüft. Es liege den Behörden auch kein Schuldeingeständnis von VW dazu vor.

Schummelprogramm?

Volkswagen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bisher hat der Konzern stets abgestritten, dass es sich bei der AECD-Software um ein Schummelprogramm handelt. Es gehe um ein Hilfsgerät, das beim Warmlaufen der Abgasanlage zum Einsatz komme, hieß es. VW-US-Chef Michael Horn hatte erstmals bei einer Anhörung im US-Kongress am 8. Oktober erwähnt, dass es wegen der AECD-Programme Probleme mit den US-Behörden geben könnte.

In den USA läuft am Freitag eine erste von EPA und CARB gesetzte Frist aus, innerhalb derer VW Vorschläge für einen Rückruf der knapp eine halbe Million Diesel-Wagen vorlegen muss, bei denen der Einsatz von Schummelsoftware unstrittig ist. Ohne einen akzeptablen Plan zur Beseitigung der Manipulationen drohen empfindliche Strafen.

Erste Vorschläge zur Bewältigung des Abgas-Skandals seien auch eingereicht worden, teilte die kalifornische Umweltbehörde CARB in der Nacht auf Samstag mit. Der Autobauer habe einen Rückrufplan für die von der Affäre um manipulierte Messwerte bei Emissionstests betroffenen Fahrzeuge der Modelljahre 2009 bis 2015 mit 2,0-Liter-Motoren vorgelegt. Details wurden zunächst nicht bekannt. Die Aufseher haben nun bis zu 20 Geschäftstage Zeit, die Vorschläge zu prüfen.

Im September hatte VW öffentlich zugegeben, weltweit in etwa elf Millionen Diesel-Autos eine spezielle Software eingebaut zu haben, durch die Abgaswerte bei Emissionstests geschönt werden. Das Programm kann feststellen, ob sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb auf der Straße ist der Schadstoffausstoß jedoch viel höher. In den USA drohen dem Konzern deshalb Milliardenstrafen sowie hohe Rückrufkosten und teure Rechtsstreitigkeiten.

Rabattaktion

In Österreich versucht der Konzern die Kunden unterdessen mit einer Rabattaktion bei der Stange zu halten. Für alle VW-Fahrer "und für alle, die es werden wollen" werden in großen Inseraten jetzt beim Kauf eines neuen VW bis zu 3.000 Euro Bonus in Aussicht gestellt. Die Aktion läuft für Autokäufe bis Ende Dezember 2015.

Finanziell wirkt sich der Abgasskandal noch nicht dramatisch für den Autokonzern aus. Trotz immenser Kosten für die Affäre will VW seine Investitionen im kommenden Jahr nur um eine Milliarde Euro kürzen, sagte Konzernchef Matthias Müller am Freitag. Auch solle die Stammbelegschaft gehalten werden. Müller schloss aber Kürzungsrunden nicht aus: "Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht", sagte er. (APA, 20.11.2015)

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