Hürdenlauf für VW-Kunden bis zum sauberen Diesel

20. November 2015, 19:32
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Beim Versprechen, die manipulierten Abgasfilter kostenlos zu reparieren, war VW schnell. Bei Ansprüchen von Kunden ziert sich VW

Wolfsburg – Ob der Einbau eines Sensors in den Luftfilter genügt um die inkriminierte VW-Dieselmotortype EA189 schadstoffmäßig auf Vordermann zu bringen, steht noch nicht fest. Dies wäre für den Volkswagen-Konzern ein Glück, weil sich die Kosten für die Reparatur der Abgasmanipulationen deutlich reduzieren würden.

Österreich, das sich auf Zulassungen des deutschen Kraftfahrt-Bundesamts verlässt, wird für die 363.400 betroffenen VW-, Skoda- und Audi-Modelle wohl auch eine derartige Lösung akzeptieren, so sie denn technisch eine Alternative ist. Wie berichtet, muss VW Anfang 2016 europaweit rund drei Millionen Fahrzeuge mit dem betroffenen 1,6-Liter-Diesel in die Werkstatt rufen, um sie wegen erhöhten Stickoxid-Ausstoßes aufzurüsten. Bei 540.000 Wagen reicht ein Software-Update nicht, ihnen müssen neue Bauteile eingepflanzt werden. Die größere Variante mit 2,0 Litern Hubraum kommt auf etwa 4,6 Millionen Fahrzeuge, 340.000 haben den kleinen Motor mit 1,2 Litern.

Zusätzlich zu diesen insgesamt rund acht Millionen Wagen der Schadstoffklasse Euro-5 ruft VW freiwillig 500.000 Dieselfahrzeuge zurück, die nur Euro-3 und Euro-4 erfüllen. Bei weiteren 800.000 Kfz hat VW zugegeben, dass die CO2-Werte höher sind, als den Behörden gemeldet. Für diese Gruppe gibt es noch keinen Fahrplan für die Mängelbehebung.

  • Gewährleistung: Während Zuwarten bei erhöhten Abgaswerten für den Kunden keinen Beinbruch darstellt, kann dies bei allfälligen Gewährleistungsansprüchen ins Auge gehen. Fahrzeugbesitzer laufen damit Gefahr, dass Anspruch verfällt, wenn er nicht binnen zwei Jahren ab Unterfertigung des Kaufvertrages geltend gemacht wird. Diese Verfristung, also den Untergang von Gewährleistungsansprüchen, gilt es zu verhindern. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) sammelt deshalb betroffene Fahrzeughalter und versucht ihre Ansprüche direkt beim Hersteller Volkswagen in Wolfsburg, bei den Generalimporteuren aller Marken (VW, Audi, Seat und Skoda) in Österreich und bei den Händlern durchzusetzen. Dass Generalimporteur Porsche Austria Teil des VW-Konzerns ist, sei kein Garant für Erfolg, sagt Rechtsanwalt Alexander Klauser. "Rechtlich sind Generalimporteur, Händler und Hersteller unterschiedliche juristische Personen." Heißt auf gut Deutsch: VW könnte theoretisch auf die Händler pfeifen und so Konsumenten anrennen lassen. In der Praxis wird das wohl nicht der Fall sein, denn VW hat eingestanden, die Abgaswerte manipuliert zu haben und angekündigt, alles kostenlos in Ordnung zu bringen.
  • Irrtumsanfechtung: Am Umstand, dass ein Kunde beispielsweise ein "sauberes" Auto gekauft, aber eines mit höherem Schadstoffausstoß bekommen hat, ändert die Gratisreparatur nichts. Eine Klage auf Rückabwicklung des Autokaufs wegen Irreführung ist ab Vertragsabschluss drei Jahre lang möglich. Da allerdings Dieselfahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 betroffen sind, sind Kontrakte aus dieser Zeit quasi täglich von Verfristung bedroht. Im Gegensatz zum Schadenersatz muss der Kunde dem Hersteller, Importeur oder Händler bei der Irrtumsanfechtung kein Verschulden nachweisen. Um Zeit zu gewinnen, greift ein anderes Mittel, der · Verjährungsverzicht Dem von den VKI-Juristen geforderten Verjährungsverzicht insbesondere für bereits verfristete Ansprüche ist VW bis Freitagabend nicht nachgekommen. Man prüfe den Sachverhalt und werde sich mit dem VKI in Verbindung setzen, versicherte der Sprecher von Porsche Austria, Richard Mieling. Interesse an der Sammelaktion des VKI, der in Österreich und über eine niederländische Stiftung (gemeinsam mit Stiftung Warentest) den Druck auf VW erhöhen will, haben sich bis dato 46.344 österreichische Autobesitzer angemeldet.
  • Neuwagenübernahme: Da von der CO2-Thematik auch Modelle des Jahres 2016 betroffen sind, sollten Käufer bei der Kfz-Übernahme eine Nacherfüllung, die Minderung des Kaufpreises oder gleich die Rückabwicklung des Kaufvertrags vereinbaren und sich Schadenersatzansprüche vorbehalten. (Luise Ungerboeck, 20.11.2015)
  • Langer Weg bis zum sauberen Auto für VW-Kunden.
    foto: reuters

    Langer Weg bis zum sauberen Auto für VW-Kunden.

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