"Absagen tun wir das sicher nicht"

20. November 2015, 18:00
65 Postings

Vorarlbergs Bildungslandesrätin wünscht sich mehr Innovationsfreudigkeit von ÖVP

Wien – Die Vorarlberger wollen sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen. Schon gar nicht von der rot-schwarzen Bildungsreform, mit der ihnen diese Woche ausgerichtet wurde: Vergesst eure Gesamtschulträume, wir in Wien (oder präziser: im Bund, die Landesregierung selbst wäre ja bereit) wir wollen das nicht.

Die Vorarlberger Bildungslandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) richtet den Parteikollegen im Gespräch mit dem Standard aus: "Absagen tun wir das sicher nicht. Man werde an der Projektstruktur zur Umsetzung der Gesamtschule "jedenfalls weiterarbeiten". Das Ganze sei ohnehin langfristig angelegt. Und "bis in zehn Jahren ist vielleicht auch die Bundesregierung so weit". Mennel: "Ich würde mir mehr Innovationsfreudigkeit wünschen – auch von der Bundes-ÖVP", denn die Gesamtschule sei ganz klar "die bessere, chancengerechtere Schule".

"Programm der versäumten Chancen"

Gleicher Plan, andere Partei. Der grüne Bildungssprecher Harald Walser, wie Mennel vorarlbergischer Vorprescher in Sachen Gesamtschule, bezeichnet die Bildungsreform als "Programm der versäumten Chancen". Eines, dem die Grünen in der Ist-Form sicher nicht zustimmen können. Walser: "Das kommt nicht infrage. Ich lasse mich innerhalb von Modellregionen sicher nicht auf Prozente ein." Auch die geforderte Entparteipolitisierung kann Walser nicht erkennen: "Ohne Einbeziehung von Schulpartnern können Direktorinnen und Direktoren nicht bestellt werden."

Er führe bereits informelle Gespräche mit SPÖ und ÖVP, macht eine Zustimmung der Grünen bei jenen Bereichen, die mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden müssen, aber davon abhängig, "ob die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden". Bislang erhärtet sich bei ihm allerdings folgender Eindruck: "In der ÖVP tobt der Kampf zwischen den Steinzeitpädagogen und jenen, die aufgeschlossener sind."

"Empfehle, nicht zuzustimmen"

Auch der Wiener Grüne Daniel Landau ist enttäuscht: "Wien und Vorarlberg haben angeboten, mit einer Modellregion eine wichtige Entwicklungsaufgabe zu übernehmen. Denn die Regierung schafft es nicht, die eigene Denkgrenze zu überwinden. Da fährt ein Rollbalken herunter." Die Wiener hätten gerne gezeigt, wie Lernen in Eigenmotivation gelingen kann. Aber so: "Ich empfehle meinen Grünen, zum jetzigen Stand nicht zuzustimmen."

Eine Absicht, die in der FPÖ bereits beschlossen ist. Für Bildungssprecher Walter Rosenkranz kommt weder die Gesamtschule noch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr infrage. Heißt: "Die Zweidrittelmehrheit gibt es mit uns nicht." Zwar werde man sich an den Verhandlungstisch setzen, einer "über Nacht erarbeiteten Powerpointpräsentation" könne man aber keinesfalls zustimmen. (Karin Riss, 21.11.2015)

  • Vorarlberg will weiter machen, die Grünen nur zögerlich und die Blauen sicher nicht mitmachen: Die Bildungsreform der Regierung löst unterschiedliche Reaktionen aus.
    foto: dpa/uwe anspach

    Vorarlberg will weiter machen, die Grünen nur zögerlich und die Blauen sicher nicht mitmachen: Die Bildungsreform der Regierung löst unterschiedliche Reaktionen aus.

Share if you care.