Drohnen: Was erlaubt und was verboten ist

5. Dezember 2015, 10:00
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Drohnen werden in Zukunft weltweit Packerln bringen. In Österreich allerdings noch nicht so bald. Hierzulande wollen wir damit vorerst nur spielen. Doch auch dafür gibt es strenge Regeln

Bringt das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke? Der Richtungsstreit darüber, wer unterm Christbaum zustellen darf, könnte antiquierter nicht sein. In Zukunft wird die Frage doch eher lauten müssen: Bringt die Packerln der Postler oder die Drohne?

Tatsächlich wird die australische Post schon 2016 per Drohne zustellen. Vorerst zwar nur kleinere Mengen und Packerln bis maximal zwei Kilogramm. Aber viele rechtliche und technische Rahmenbedingungen für eine Ausweitung der Testphase sind dort bereits gegeben. Selbst in Deutschland verkehrt bereits seit 2014 der sogenannte "Paketkopter" der Deutsche-Post-Sparte DHL zwischen der Nordseeinsel Juist und dem Festland. Und die Supermarktkette Walmart hat Ende Oktober bei der US-Luftfahrtbehörde einen Antrag für konkrete Tests mit unbemannten Flugkörpern eingereicht. Der "Nahversorger" – mehr als zwei Drittel der US-Bürger leben weniger als zehn Kilometer von einem Walmart entfernt – möchte mit Drohnen unter anderem Einkäufe nach Hause liefern.

Schnelle Zustellung

Unternehmen wie Amazon, Alphabet (ehemals Google) und Facebook verfolgen ebenfalls großangelegte Projekte mit Lieferdrohnen. Gedacht sind diese nur für schwer zugängliche Adressen und um Pakete innerhalb eines Tages zustellen zu können. Unternehmensberater von McKinsey schätzen allein den europäischen Markt für die Zustellung am selben Tag auf drei Milliarden Euro.

In Österreich allerdings scheint die Zustellung per Drohne derzeit weder auf Nachfrage durch Kunden zu stoßen noch in nächster Zukunft auch nur als Feldversuch – etwa von der Post – geplant zu sein. Ungeachtet dieser Tatsache werden auch hierzulande mehr Drohnen denn je angeschafft – als Spielzeug.

Dieser Markt steht weltweit vor einem rasanten Wachstum: Der jährliche Umsatz mit kleinen zivilen Drohnen dürfte sich von einer halben Milliarde Euro im Jahr 2014 auf über eine Milliarde Euro Mitte des nächsten Jahrzehnts verdoppeln, schätzt das Marktforschungsunternehmen Teal. Der chinesische Hersteller DJI, neben Parrot aus Frankreich einer der größten der Branche, wächst seit der Gründung 2006 jährlich um das Fünffache.

Was ist zu beachten?

Heimische Kunden wird also derzeit eher interessieren: Was gilt es beim ersten Flug zu beachten, wenn die Drohne als Geschenk unterm Christbaum liegt? Seit einer Novelle des Luftfahrtgesetzes, das mit Jänner 2014 in Kraft getreten ist, gibt es eine Einteilung von Drohnen in mehrere Klassen: Spielzeug, Flugmodell sowie unbemannte Luftfahrzeuge der 1. und 2. Klasse. Die meisten Hobby- und Freizeitdrohnen im Handel fallen in die ersten beiden Klassen.

Wer bei uns eine Drohne oder einen Multicopter, wie ein zivil genutztes unbemanntes Fluggerät auch genannt wird, nutzt, muss sich an strikte Regeln halten: Es gibt klar definierte Flugverbotszonen, Gebote für das Ausweichen und Situationen, in denen ein Flug bewilligt werden muss. Die Flugverkehrsbehörde Austro Control sorgt in Österreich jedenfalls für die strengsten Vorschriften Europas. Multicopterflüge, die nur zum Zweck des Fluges selbst über unbesiedelten Gebieten durchgeführt werden, sind zumindest bewilligungsfrei.

Leichtes Spielzeug

Was bauartbedingt und technisch als Spielzeug durchgeht, bedarf keiner Bewilligung. Darunter fallen Fluggeräte, die nicht schwerer sind als 250 Gramm und nicht höher fliegen können als 30 Meter. Generell darf die maximale Flughöhe von Multicoptern nicht mehr als 150 Meter betragen, der maximale Radius nicht mehr als 500 Meter.

Für Flüge, die über besiedeltem Gebiet stattfinden, ist grundsätzlich eine Bewilligung der Austro Control erforderlich – wer sich nicht daran hält, zahlt bis zu 22.000 Euro Strafe. Ebenso muss eine Erlaubnis eingeholt werden, wenn man vorhat, mit einer Drohne Aufnahmen zu machen – und genau hier wird es spannend: Spielzeugdrohnen mit eingebauter Kamera sind mittlerweile ab 200 Euro verfügbar und bei Kunden besonders gefragt.

Wahrung der Privatsphäre

Nun gibt es aber Einschränkungen für den Kameraflug sowohl aus Gründen der Sicherheit als auch um die Privatsphäre Dritter zu wahren. Beim reinen Modellflug ist der Pilot ausschließlich damit beschäftigt, das Fluggerät zu fliegen. Wenn in der Luft auch Fotos gemacht werden, muss der Nutzer zwei Sachen gleichzeitig machen – das ist ein Sicherheitsrisiko. Ein Kameraflug ist daher theoretisch bewilligungspflichtig – in der Praxis wird das bei Spielzeugdrohnen nicht eingefordert, weil bei diesen Geräten das Fotografieren kaum ablenkt.

Was die Privatsphäre betrifft, gilt eine einfache Faustregel: Wird die Drohne quasi als Ersatz für einen Selfie-Stick genutzt, gibt es keinerlei Probleme. Nur fremde Personen dürfen nicht ohne ihr Wissen gefilmt oder fotografiert werden. Auch die Verwendung von Fotos, die bei Multicopterflügen entstehen, ist klar geregelt: Es ist verboten, Luftaufnahmen, auf denen Dritte zu sehen sind, zu veröffentlichen.

Der nächste Schritt bei der "Entwicklung" von Spielzeugdrohnen könnte demnach darin bestehen, Beschränkungen von vorneherein einzubauen. Die Drohne würde dann etwa über ein GPS-Modul plus Software wissen, wohin sie gar nicht erst fliegen darf, oder "verbotene" Fotomotive könnten automatisch verpixelt werden. Die Hersteller wehren sich allerdings gegen solche Limits und argumentieren, der Hausverstand der Piloten würde dafür genügen. (Sascha Aumüller, RONDO Digital, 5.12.2015)

  • Spielzeug bedarf keiner Bewilligung,  mit Kamera wird's problematisch.
    foto: apa/stratenschulte

    Spielzeug bedarf keiner Bewilligung, mit Kamera wird's problematisch.

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