Meer rund um die Balearen zum Hope-Spot erklärt

27. November 2015, 09:00
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Weltweit gibt es 59 sogenannte Hoffnungspunkte. Die Auszeichnung hat symbolischen Wert und zeigt rund um Mallorca bereits erste Erfolge.

Die balearischen Inseln sind seit November Hoffnungsträger für Meeresschützer. Die Umweltschutzorganisation Mission Blue hat dem Archipel die Auszeichnung Hope-Spot verliehen. Damit sind Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera Teil eines Netzes, das weltweit aus derzeit 59 Hoffnungspunkten besteht. Sie sind der erste Hope-Spot im Mittelmeer und nach dem Ytre-Hvaler-Nationalpark vor der norwegischen Küste der zweite in Europa. Die ausgezeichneten Orte können zukunftsträchtigen Umgang mit Ressourcen und Besserung bei Fischbeständen, Artenvielfalt oder des Habitats vorweisen.

Die Auszeichnung ist mit keinerlei finanzieller oder logistischer Unterstützung verbunden, sondern hat symbolischen Wert. Sie soll der örtlichen Bevölkerung und Verwaltung sowohl als Anerkennung für geleisteten Umweltschutz als auch als Ansporn für mehr Bemühungen dienen. Außerdem fördert sie internationales Ansehen und Aufmerksamkeit, denn Mission Blue ist weltweit mit rund 150 Organisationen vernetzt.

Vorgeschlagen wurde der Archipel von der örtlichen Umweltgruppe Asociación Ondine, die sich auf den Balearen seit 2012 dem Schutz von Küsten und Gewässern widmet. Es gibt insgesamt sieben Meeresschutzgebiete in den Balearengewässern mit einer Gesamtfläche von fast 60.000 Hektar. Zahlreiche Tierarten sollen vor allem vor Schleppnetzfischerei geschützt werden.

foto: epa/stefan sauer
Die Natur rund um die Balearen ist noch relativ wenig verschmutzt und bietet der Unechten Karettschildkröte und Thunfischarten einen Lebensraum.

Konsum überdenken

"Sie leben an einem wunderbaren Ort, bewahren Sie ihn", sagte Sylvia Earle, die Gründerin von Mission Blue während ihres Besuches auf Mallorca im November. Die 80-jährige Ozeanografin gehört neben Jacques-Yves Cousteau zur ersten Generation der Meeresschützer und genießt weltweit großes Ansehen.

"Im Laufe meines Lebens habe ich miterlebt, wie Arten ausgestorben und Lebensräume verschwunden sind", sagte die US-amerikanische Forscherin, die insgesamt mehr als 7000 Stunden unter Wasser verbracht hat. Bei ihrem Besuch auf Mallorca forderte sie die Bevölkerung auch auf, ihr Konsumverhalten zu überdenken. "Es gibt immer noch zu viele Menschen, die Wildtiere aus dem Meer essen, in dem Glauben, dass die Bestände unerschöpflich seien," sagte sie. Sie selbst esse seit 40 Jahren keine Meerestiere mehr, denn so Earle, "sie spielen im Wasser eine wichtigere Rolle als auf meinem Teller".

Überfischung, Meeresverschmutzung und Raubbau durch Massentourismus haben rund um die Balearen weniger Schaden angerichtet als anderswo im Mittelmeer. Mission Blue hat die Region wegen der generell guten Verfassung ihrer Ökosysteme, ihrer hohen Artenvielfalt und ihrer geografischen Lage ausgesucht. In ihren Gewässern leben unter anderem bedrohte Tierarten wie die Unechte Karettschildkröte, Saumrochen oder Roter Thun. Stellenweise senkt sich der Meeresgrund auf bis zu 2000 Meter ab. Dort leben seltene Arten von Tiefseefischen.

foto: ap/bozidar vukicevic
Weltweit sind nur vier Prozent der Weltmeere geschützt.

Der seichte Meeresboden am Ufer ist großteils von der Unterwasserpflanze Posidonia oceanica – auch Neptungras genannt – bedeck. Sie spielt eine Schlüsselrolle im Ökosystem Küstengewässer. Zwischen Ibiza und Formentera wächst einer der größten Seegrasteppiche der Welt. Er gehört zum Unesco-Welterbe. Dort sind 13.600 Hektar Wasser geschützt.

Dazu kommt vor der Südküste Mallorcas der maritim-terrestrische Nationalpark Cabrera mit 10.000 Hektar. Eine Vergrößerung auf das Doppelte ist geplant. Auch die unbewohnte, geschützte Insel Dragonera soll demnächst um einen maritimen Teil erweitert werden. Die Inselgruppe ist spanienweit die Region mit dem größten Prozentsatz geschützter Wasserflächen. Weltweit sind nur vier Prozent der Weltmeere geschützt. Mission Blue will den Prozentsatz bis 2020 auf 20 Prozent erhöhen. (Brigitte Kramer, 27.11.2015)

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