"Star Wars Battlefront" im Test: Großer Machtrausch mit kleiner Substanz

22. November 2015, 11:00
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Die bislang spektakulärste Spielumsetzung der Sci-Fi-Saga macht viel Spaß, aber lässt zu wünschen übrig

George Lucas hat in den vergangenen vier Jahrzehnten keine Möglichkeit ausgelassen, sein Lebenswerk "Star Wars" durch den Fleischwolf der Kommerzialisierung zu drehen. Im Dezember erscheint der siebente Film "The Force Awakens", rundherum gibt es von Sammelfiguren bis zu Todessternkappen mit Mickey-Mouse-Ohren alles zu kaufen, was kein Mensch braucht. Und auch die Ausschussrate bei den Videospieladaptierungen der Saga ist hoch.

Dennoch: als Ende vergangener Woche die Neuauflage des Shooters "Star Wars: Battlefront" auf den Markt kam, blickten nicht nur die vernarrtesten Anhänger des "Krieg der Sterne" wie gebannt auf die Bildschirme. Mit dem erfahrenen Studio Dice im Hintergrund waren die Erwartungen groß. Herausgekommen ist eine Hauptspeise nach dem Rezept eines Sternekochs: Sie ist köstlich, sieht fantastisch aus und lässt einen oft hungrig zurück.

Augen- und Ohrenschmaus

Das "Battlefront" von 2015 ist ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. So nahe war man dem ewigen Kampf zwischen den Rebellen um Luke Skywalker und dem Imperium um Darth Vader technisch gesehen noch nie. Basierend auf Aufnahmen und Scans der Originaldrehorte und Modelle wurden Arenen für virtuelle Gefechte geschaffen, die mit Blaster-Schusswechseln, Ionenbomben und dramatischen Dogfights zwischen X-Wings und TIE-Fightern zum Brennen und von den tonnenschweren Maschinenbeinen der AT-AT-Kampfläufer zum Beben gebracht werden. In gewaltigen Online-Schlachten dürfen Fans ihre schwarz-weiß gemalten Träume von der guten und der dunklen Seite der Macht ausleben.

Das Gefühl, nicht genug zu bekommen, rührt einerseits vom Verzicht auf eine storygetriebene Kampagne und andererseits von der sparsamen Auswahl des vorrangig auf Mehrspielerbegegnungen ausgelegten Angebots. Im Zentrum stehen hier zwar zahlenmäßig viele, aber oftmals redundante Bewerbe auf teils wirklich fantastisch gestalteten, aber wenigen Karten auf nur vier unterschiedlichen Planeten vom bewaldeten Endor und den Vulkanen auf Sullust bis zum eisigen Hoth und der Wüste Tattooines.

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Spielspaß für jedermann

Ein Drang zur Reduktion, der sich auch im simplifizierten Spieldesign widerspiegelt. Mit einem Blaster zu schießen, fühlt sich großartig an und ist so einfach, wie Paintball spielen. Nachladen muss man nicht, anstelle dessen gilt es, lediglich auf die Überhitzung zu achten. Die Lebensenergie regeneriert sich nach kurzer Zeit von selbst, und stirbt man, wird man gleich wieder ins Feld geschickt. Spezialwaffen wie Raketenwerfer sammelt man über Tokens auf, als wäre es 1995, und auf dem gleichen Weg aktiviert man Fluggeräte und schlüpft in die Stiefel von einem der sechs mächtigen Helden, um seinen Kameraden unter die Arme zu greifen. Die Hauptwaffe ist unendlich nutzbar, die zwei anderen Gadgets im "Halfter" wie Jetpacks und Granaten ebenso, sind aber an einen Timer gebunden. Gerätschaft bezwungener anderer Spieler lässt sich nicht aufnehmen.

In vieler Hinsicht ist diese Vereinfachung erfrischend. Das ist endlich wieder ein Shooter bei dem man ohne lange Einarbeitungszeit mitspielen und auf Anhieb Spaß haben kann. Wenn der Kern brillant ist, braucht es rundherum nicht viel Firlefanz. Das macht diese Neuinterpretation von "Battlefront" attraktiv für Spieler, die einfach schnell und ohne antrainierte Expertise unterhalten werden wollen. Gleichzeitig lässt sich nicht ausblenden, dass ein großer Teil der Zielgruppe heute mehr Tiefe erwartet. Der Spielcharakter ist ausbaubar, doch die Motivationskurve ist bei fehlenden Klassen und überschaubaren Ausrüstungsoptionen flach. Und mangels Squads und Sprachchat gibt es wenig Hilfestellungen für taktisches Zusammenspiel.

Große Gefechte

Ein Highlight stellt der "Walker-Assault"-Modus mit Gefechten zwischen zwei Teams mit je 20 Spielern dar. Hier wird jeder Aspekt des galaktischen Krieges von Bodensoldaten über Helden bis Raumschiffen vereint. Während das Imperium mit Stormtroopern und Kampfläufern anstürmt, feuern Rebellen aus der Defensive und versuchen, mit Bodengeschützen und Raumschiffen der Überlegenheit ihrer Widersacher entgegenzuwirken. Ein Traum, wenn es schließlich gelingt, zerstörerische AT-ATs mit Kabelschlingen und gezielten Geschützsalven zu Fall zu bringen.

Im "Supremacy"-Modus erhöht sich der Druck auf beide Teams, wenn man sich um Stellungen schlägt und Korridore zu tödlichen Engstellen werden. Und im "Fighter Squadron"-Bewerb wird in hitzigen Luftgefechten mit realen Spielern und Computergegnern der grinsende Pilot in einem geweckt. Die Steuerung geht leicht von der Hand und dank KI-Kanonenfutter feiern selbst Rookies rasch Erfolge. Dass man dabei nicht ins Weltall vorstößt, schmerzt das Raumfahrerherz ein wenig.

Überlebenskampf der Helden

Alleine oder zu zweit mit einem Freund via Splitscreen oder online darf man Missionen in Angriff nehmen. Kooperativ wehrt man beispielsweise im "Survival"-Modus laufend stärker werdende Gegnerwellen ab und verteidigt zwischendurch Nachschubkapseln. Wirklich fordernd agiert die KI allerdings erst in den höheren Schwierigkeitsgraden. Besonders einprägsam realisiert wurde das Level von Endor, in dem man auf dem unübersichtlichen Waldboden ebenso zu Werke geht wie auf den Plattformen vor den Baumhäusern der Ewoks. Letztere sind wie einige andere Figuren zu unsterblichen Nebenrollen verdammt.

Unausgegoren wirkt hingegen in "Battles" wie auch in den großen Multiplayer-Schlachten die Implementierung von Helden. Luke Skywalker und Darth Vader beeindrucken zwar optisch mit Lichtschwerttänzen, effektiver sind jedoch die Laserkanonen von Han Solo, Boba Fett und Prinzessin Leia. Imperator Palpatine ist mit Streublitzen wiederum eher eine nostalgische Zugabe, genauso wie Vaders Telekinesewürgegriff. An der Front regieren überwiegend die Blaster, daran kann keine überirdische Macht etwas ändern. So komisch es sich anfühlt, wenn zwei Legenden aufeinanderprallen, nur um dann von einem beliebigen Fußsoldaten umgenietet zu werden.

Training ohne Aufführung

Dass Dice mit den grandiosen Settings noch weit mehr und eine ganze Kampagne hätte füllen können, deuten die kurzweiligen Trainingsmissionen für Solisten an. Hier darf man auf genau einer Strecke eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit dem Speederbike aufnehmen oder am Steuer eines zweibeinigen AT-ST den steinigen Weg für die imperialen Streitkräfte frei räumen. Kurz und bündig inszeniert sind es jedoch nicht mehr als adrenalingetränkte Appetithäppchen für den fehlenden Hauptgang auf der Speisekarte.

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Fazit

"Star Wars Battlefront" gelingt eines bravourös: Mit authentischem Feeling und Spaß an der Einfachheit den "Krieg der Sterne" einer möglichst breiten Zielgruppe schmackhaft zu machen. So schön und spektakulär spielte sich der Kampf zwischen Stormtroopern und Rebellen noch nie. Dass man kaum Rücksicht auf ambitionierte Shooterfans nimmt, schmerzt im Überfluss starker Alternativen weniger als der anämische Unterbau dieses Feuerwerks. Wir haben Blut geleckt, jetzt ist nicht die Zeit für teure Download-Erweiterungen, sondern einen großzügigen Nachschub aus der Küche. (Zsolt Wilhelm, 22.11.2015)

"Star Wars: Battlefront" ist ab 16 Jahren für Windows-PC, PlayStation 4 und Xbox One erschienen. UVP: 59 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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Star Wars: Battlefront

Nachlese

"Star Wars Battlefront": Durchwachsene Wertungen für den Krieg der Sterne

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