Integration: Heuer 50.000 Plätze in Sprachkursen

20. November 2015, 13:20
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70 Prozent der Kurse werden vom AMS abgewickelt – Schulungen hauptsächlich für anerkannte Flüchtlinge

Wien – Der 50-Punkte-Integrationsplan von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat eine Diskussion über das etwas undurchsichtige System der Deutschkurse für Migranten ausgelöst. Auf Bundesebene bekommen grundsätzlich nur anerkannte Flüchtlinge solche Kurse. Die meisten Schulungen (70 Prozent) werden vom AMS abgewickelt und damit vom Sozialministerium bezahlt.

Nach Angaben des Sozialressorts wurden beziehungsweise werden in diesem Jahr über das AMS 35,42 Millionen Euro für Deutschkurse ausgegeben. Damit können für 27.799 Migranten Kurse finanziert werden. Darunter befinden sich 10.659 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte.

Weiterer Ausbau notwendig

20 Prozent der Deutschkurse finanzieren die Länder, jeweils vier Prozent der Integrationsfonds und das Außenministerium und zwei Prozent das Innenministerium. Laut Integrationsministerium werden beziehungsweise wurden heuer insgesamt 50.000 Plätze mit einem Wert von mehr als 50 Millionen Euro finanziert.

Angesichts der Rekordzahlen an Migranten werden die Sprachkurse in den kommenden Monaten und Jahren allerdings weiter ausgebaut werden müssen. Heuer werden nämlich 95.000 Asylanträge erwartet. Bis Anfang November wurden schon über 70.000 gestellt. Gleichzeitig gab es von Jänner bis Oktober 30.000 Statusentscheidungen – das waren im Übrigen 60 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Von diesen 30.000 Entscheidungen wurden 36 Prozent positiv auf Gewährung des Asylstatus entscheiden, 45 Prozent waren negativ. Bei den Negativentscheidungen können aber noch immer subsidiärer Schutz oder humanitäres Bleiberecht erteilt oder über den Weg der Berufung eine andere Entscheidung getroffen werden, hieß es aus dem Innenministerium. Die restlichen Entscheidungen auf die 100 Prozent betrafen Verfahrenseinstellungen ohne inhaltliche Entscheidung oder Entscheidungen über Familiennachzug.

Kaum Kurse für Asylwerber

Die Kurse richten sich naturgemäß nur an Erwachsene. Schulpflichtige Kinder kommen in die Schule und lernen dort die Deutsche Sprache.

Kaum gefördert werden vom Bund derzeit Sprachkurse für Asylwerber, die noch auf ihren Bescheid warten. Diese derzeit auf Betreuungsstellen des Bundes beschränkten Kurse will das Innenministerium aber "massiv ausbauen", heißt es im Ressort. Dazu will man 15 Millionen Euro aus dem Integrationssonderbudget beantragen. Die Deutsch- und Alphabetisierungskurse sollen Flüchtlingen mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit, wie Syrern und Afghanen, zugutekommen und allenfalls von den Ländern kofinanziert werden. Auch Integrationsminister Kurz kann sich Sprachkurse für Asylwerber vorstellen, aber nur für jene, die eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit auf Anerkennung haben".

In den Ländern scheint es jetzt schon ein bisschen anders zu laufen. In Tirol finden derzeit rund 300 Kurse für etwa 3.500 Asylwerber statt, hieß es seitens der für die Flüchtlingsunterbringung zuständigen Tiroler Sozialen Dienste. Rund 5.000 Personen werden derzeit im Bundesland betreut. Besuchen würden die Kurse jene Menschen, die sich noch im Asylverfahren befinden.

Im Jahr 2015 gebe das Land 400.000 Euro für die Sprachkurse aus. Im kommenden Jahr werde die dafür notwendige Summe knapp die Millionengrenze überschreiten, erklärte Florian Stolz von den Tiroler Sozialen Diensten. Die meisten Kurse würden sich auf der Niveaustufe "A1" bewegen. Auf dieser Stufe gehe es darum, den Asylwerbern einen Grundwortschatz von 150 bis 200 Wörtern beizubringen. (APA, 20.11.2015)

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