Kriminologe über Games: "Denkbar, dass Attentäter von Paris virtuell das Töten trainiert haben"

20. November 2015, 12:05
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Umstrittener deutscher Ex-Politiker tritt "Killerspiel-Debatte" erneut los

Die terroristischen Attentate in Paris und Beirut haben zahlreiche politische Fronten eröffnet. So fordern Sicherheitsbehörden gesetzliche Maßnahmen gegen Verschlüsselung, da sie diese als Hindernis für ihre Ermittlungen betrachten. Bis jetzt ist allerdings nicht klar, wie die Anschläge in der französischen Hauptstadt überhaupt koordiniert wurden.

So geriet etwa das PlayStation 4-Netzwerk in Verdacht, von Jihadisten als Kommunikationsmittel genutzt zu werden. Während Beweise dafür fehlen hat Sony mittlerweile erklärt, dass sich der Missbrauch eines Kommunikationsnetzwerks durch Gruppierungen wie den "Islamischen Staat" (auch "Daesh" genannt) sich nicht ausschließen lässt, man aber bei Verdachtsfällen mit den Behörden zusammenarbeite.

"World of Warcraft" als Kommunikationsweg

Auch für den umstrittenen deutschen Kriminologen Christian Pfeiffer erscheint es denkbar, dass die Terroristen via PS4 kommuniziert haben. Er sieht aber auch entsprechendes Potenzial direkt in Spielen, wie er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt. So könnten sich die Attentäter virtuell im Online-Rollenspiel "World of Warcraft" an einem vereinbarten Ort in Azeroth getroffen und dort ihre Pläne besprochen haben. Dies sei für andere Spieler aufgrund privater Chatmöglichkeiten kaum zu bemerken und für Behörden nur schwer nachverfolgbar.

Anschlagstraining per Videospiel

Pfeiffer geht allerdings weiter. Seiner Ansicht nach könnten Spiele mit Gewaltinhalten zur "Radikalisierung junger Muslime" beitragen. "Es ist durchaus denkbar, dass die Attentäter von Paris vor den Anschlägen virtuell das Töten trainiert und sich daran berauscht haben", so der einstige Justizminister von Niedersachsen. Spiele könnten zudem zur Planung und Einstudierung von Anschlägen genutzt werden.

Sollten bestehende Überwachungs- und Kontrollmechanismen versagen, plädiert er für Werkzeuge wie die Vorratsdatenspeicherung, um künftigen Attentaten vorzubeugen.

Bekannter Teilnehmer der "Killerspieldebatte"

Es ist nicht das erste Mal, dass Pfeiffer mit gewagten Statements in Zusammenhang mit Videogames auftritt. Heftig diskutierte Beiträge steuerte er auch schon mehrfach in der jahrelang geführten "Killerspieldebatte" bei, die in Folge mehrerer Amokläufe in Deutschland ihren Anfang nahm.

2007 plädierte er in einem Interview mit dem Stern für deutlich schärfere Alterseinstufungen und Restriktionen für Spiele mit gewalttätigen Inhalten. So trat er etwa für eine Indizierung von "Counterstrike" und "GTA 4" und ein komplettes Verbot der Spielumsetzung von "Der Pate" ein. Obwohl Wissenschaftler in dieser Frage immer noch gespalten sind, ortete er damals "klare Belege" für den Zusammenhang zwischen dem "intensiven Konsum" bestimmter Games-Genres und erhöhter Gewaltbereitschaft.

"World of Warcraft" ab 18 Jahren?

Vier Jahre später äußerte er sich etwas differenzierter und sagte, dass niemand nur wegen brutaler Spiele zum Amokläufer würde, es aber einen "eindeutigen Verstärkungseffekt" bei Menschen gebe, die bereits ihre eigene Problemsituation mit einem "Hass auf bestimmte Menschengruppen" kompensierten und bereits "auf dem Weg Richtung Gewalt" seien.

An seiner Forderung nach strengeren Altersreglements hielt er jedoch fest und verlangte, "World of Warcraft" erst ab 18 Jahren zugänglich zu machen. Derzeit ist das Spiel in Deutschland "ab 12 Jahren" ausgewiesen. (gpi, 20.11.2015)

  • Pfeiffer forderte in der Vergangenheit unter anderem die Indizierung von "Grand Theft Auto".
    foto: gta 5

    Pfeiffer forderte in der Vergangenheit unter anderem die Indizierung von "Grand Theft Auto".

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