"Hänsel und Gretel": Klangluxus für jung und alt

20. November 2015, 10:25
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Premiere von Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" an der Wiener Staatsoper

Wien – Immer ein Gewinn, wenn Dirigent Christian Thielemann an der Wiener Staatsoper vorbeischaut. Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel wird bei ihm zur orchestralen Besonderheit. Massig, aber ausgewogenen die Klänge, nie vernachlässigt die motivischen Details. Thielemann sorgt für ein glutvolles Dahinfließen der Linien, der Gesamtsound ist luxuriös und beim Wiener Staatopernorchester in elegant umsetzenden Händen.

Das romantische Schwelgen hat jedoch immer jenes Maß an Transparenz, das nötig ist, diese tolle Musik vielfältig schillern zu lassen. Die Regie von Adrian Noble ist mit seinem stilisierten, sein Farberscheinungsbild wechselnden Waldambiente ein (auch mit filmischen Elementen arbeitendes) Angebot an alte und junge Kinder. Sie erzählt die Geschichte ohne große Deutungsabsichten, die Personenführung ist konventionell, aber doch in einem unterhaltsamen Maße genau.

Kostbar-kantable Momente

Clemens Unterreiner (als Peter Besenbinder kurzfristig für Adrian Eröd eingesprungen) bewältig die Partie tadellos, etwas angestrengt klingt Janina Baechle (als Gertrud). Durchaus kompakt Daniela Sindram (als Hänsel), ebenso Ileana Tonca (als Gretel), der mitunter auch ein paar kostbar-kantable Momente gelingen. Rollengerecht kantig und bissig Michaela Schuster (als Knusperhexe), solide Annika Gerhards (als Sandmännchen und Taumännchen).

Applaus für alle, wobei der Dirigent eines Werkes, dessen Uraufführung Richard Strauss 1893 in Weimar dirigiert hat, wohl gewünscht am heftigsten gefeiert wurde. (Ljubisa Tosic, 20.11.2015)

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