Bahnhofsumbau Salzburg billiger als veranschlagt

19. November 2015, 18:01
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Der Umbau des Salzburger Hauptbahnhofs wird mit voraussichtlich 233,26 Millionen Euro um 13,44 Millionen billiger

Wien – Die gute Nachricht zuerst: Der Umbau des Salzburger Hauptbahnhofs in den Jahren 2009 bis 2014 wird mit voraussichtlich 233,26 Millionen Euro um 13,44 Millionen billiger als veranschlagt. Allerdings sind in dieser Summe offenbar nicht alle Kosten inkludiert. Im Teilbereich Tiefbau (Brücken, Unterbau, Signal-, Fernmelde- und Elektrobetriebstechnik) kam es laut Rechnungshof (RH) zu "merklichen Kostenüberschreitungen".

Insbesondere die Sanierung der denkmalgeschützten Stahldächer ging ins Geld, was laut Rechnungshof an Mängeln in der Wahrnehmung der Bauherrnaufgaben durch die zuständige ÖBB-Infrastruktur lag. Zu Beginn der Planungsarbeiten seien Fragen des Denkmalschutzes zu wenig beachtet worden. Der Architekt wurde beispielsweise erst sieben Jahre nach Durchführung des Architektenwettbewerbs mit der Umwandlung von einem Kopf- in einen Durchgangsbahnhof beauftragt. Der Baubeginn verschob sich so von September 1999 auf Februar 2009. Die Kosten für die erste, später nicht mehr realisierbare Vorentwurfsplanung verursachte verlorenen Aufwand in Höhe von 184.000 Euro.

Angebote nicht eingeholt

Die Kosten der Sanierung der denkmalpflegerischen Baumaßnahmen summierten sich laut der vorläufigen Schlussrechnung auf 8,41 Millionen Euro, das sind um 2,25 Millionen oder 37 Prozent mehr als die ursprünglich veranschlagten Aufträge (6,16 Mio. Euro). Allein die Stahldächer schlugen mit 5,81 Mio. Euro zu Buche statt mit 3,67 Millionen.

Vergleichsangebote und Preisangebote für die denkmalpflegerische Projektsteuerung habe die ÖBB vor Vergabe nicht eingeholt, obwohl die ÖBB ein Jahr Zeit gehabt hätte. Die ÖBB berief sich auf umfangreichen Abstimmungsbedarf mit dem Denkmalamt, welches einen qualifizierten Fachmann empfohlen hatte, den die ÖBB nicht freihändig, sondern nach einem Verhandlungsverfahren engagierte. Die Mehrkosten seien vertretbar gewesen.

Wiewohl zum Zeitpunkt der RH-Prüfung bis auf eines alle Geschäftslokale am Bahnhof vermietet waren, merkten die staatlichen Buchprüfer kritisch an, dass das für Vermietung und Verpachtung zuständige ÖBB-Immobilienmanagement weder ein schriftliches Vermarktungskonzept erstellt noch Rentabilitätsbetrachtungen durchgeführt hatte. Die ÖBB konterte in ihrer Stellungnahme, dass Projektorganisation und -abwicklung "zweckmäßig und geeignet sowie durch ein hohes Niveau an Projektmanagementkompetenz geprägt gewesen seien". (ung, 19.11.2015)

  • Licht und Schatten sieht der Rechnungshof bei der Evaluierung der Umbauarbeiten am Salzburger Bahnhof.
    foto: urban

    Licht und Schatten sieht der Rechnungshof bei der Evaluierung der Umbauarbeiten am Salzburger Bahnhof.

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