Bildungskompass: Sanktionen nicht ausgeschlossen

19. November 2015, 17:36
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Elternvertreter wollen bei Lehrereinstellung mitreden

Wien – Im Alter von 3,5 Jahren sollen Kinder künftig im Rahmen eines "Eltern-Kind-Pädagogen-Gesprächs" einem Screening unterzogen werden, in dem die Sprachfähigkeiten und der Entwicklungsstand des Kindes festgestellt werden sollen. In der Folge sollen die Entwicklungsfortschritte bis zum letzten Schultag dokumentiert werden. Unter der Überschrift "individueller Bildungskompass" hat die Regierung diese Maßnahme im Rahmen der Bildungsreform am Dienstag angekündigt. Details müssen erst festgeschrieben werden.

Im Dezember wird eine Expertengruppe unter der Leitung des Genetikers Markus Hengstschläger – in Auftrag des Staatssekretärs Harald Mahrer (ÖVP) – eingesetzt. Gefragt, ob es Sanktionen geben soll, wenn Eltern ihre Kinder diesem Screening nicht unterziehen, heißt es auf STANDARD-Anfrage aus Mahrers Büro: "Das ist noch nicht definiert. Diese Frage wird die Expertengruppe klären."

Andreas Ehlers, Vorsitzender des Dachverbands der Elternvereine an den Pflichtschulen, begrüßt die Idee des Bildungskompasses: "Alles, was den Werdegang eines Kindes fördert, ist zu unterstützen." In der Schule werden bereits jetzt im Rahmen der Bildungsdokumentation Daten der Kinder erfasst. Die Dokumentation ab 3,5 Jahren würde lediglich die Lücke zwischen Kindergarten und Pflichtschule schließen, so Ehlers. Bisher sei diese Schnittstelle "total unterbelichtet".

Allerdings fordert Ehlers ein Mitspracherecht der Elternvereine bei der Frage, welche Daten der Kinder künftig erfasst werden sollen. Einerseits müsse geklärt werden, ob die erfassten Daten im Sinne des Fortkommens des Kindes "nachhaltig wirken". Andererseits müsste auch die Frage des Datenschutzes ausführlich diskutiert werden. So soll sichergestellt werden, dass nicht "Gott und die Welt" Zugang zu den erfassten Daten hat.

Mitsprache für die Elternvereine fordert Ehlers übrigens auch bei der Frage, welche Kompetenzen Lehrer und Lehrerinnen mitbringen sollen, die an Schulen künftig neu eingestellt werden. (Katrin Burgstaller, 20.11.2015)

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