US-Behörde droht: VW muss im Ernstfall Autos zurückkaufen

20. November 2015, 13:53
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In den USA läuft heute eine Frist ab, innerhalb der der Konzern einen Rückrufplan vorlegen muss. Eine Fristverlängerung gibt es in Brüssel

Wien – Süßes und Saures gibt es derzeit für VW. Die kalifornische Umweltbehörde Carb hält den Druck auf den Autobauer hoch. Am Freitag läuft eine Frist ab, innerhalb der der Konzern den US-Regulierern einen Rückrufplan für die 482.000 Dieselfahrzeuge unterbreiten muss, in denen eine spezielle Software (Defeat Device) zur Manipulation von Emissionstests installiert wurde. "Wenn sie keinen akzeptablen Plan vorlegen, dann stehen uns Strafen zur Verfügung", bekräftigte Carb-Vorsitzende Mary Nichols am Mittwoch.

Nach Vorlage haben die Behörden 20 Geschäftstage Zeit, den Plan zu prüfen. Sollte sich VW bei einem Rückruf nicht an die Vereinbarungen halten, gäbe es die Möglichkeit, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen. Einen Teil der knapp 500.000 vom Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA könnte VW zurückkaufen müssen. Die Erfahrung zeige, dass Nachrüsten oft nicht so funktioniere wie geplant, sagte Nichols dem "Handelsblatt". "Deshalb denke ich, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigsten einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss."

Eine Milliarde weniger

Der Konzern kündigte am Freitag an, im Investitionsprogramm für das Jahr 2016 die Sachmittel auf maximal 12 Milliarden Euro zu reduzieren – eine Milliarde Euro weniger als im Schnitt der vergangenen Jahre. Fast die Hälfte der Sachinvestitionen fließe dabei in die deutschen Standorte. Dies sei auch ein Bekenntnis zum Heimatmarkt des größten europäischen Autobauers.

VW-Chef Matthias Müller sieht trotz der gekürzten Investitionen nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs der Kernbelegschaft. "Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten", sagte der Manager nach einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats in Wolfsburg.

Bosch im Visier

Probleme in den USA gibt es nun auch für Robert Bosch. Wegen der VW-Abgasaffäre steht der Zulieferer laut Insidern im Visier der Ermittler. Staatsanwälte im US-Justizministerium prüften, ob der Stuttgarter Konzern von den jahrelangen VW-Schummeleien gewusst habe oder daran beteiligt gewesen sei, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Es gebe keine Anzeichen, dass es Beweise für ein Fehlverhalten von Bosch gebe.

Fristverlängerung in Brüssel

Mehr Zeit zur Aufklärung, nämlich bis Jahresende, erhält VW von der EU-Kommission. Das bestätigte eine Sprecherin am Freitag in Brüssel. Ein entsprechender Brief sei an das Unternehmen verschickt worden. Die Kommission hatte zuvor Klarheit darüber gefordert, welche Modelle und wie viele Autos bei VW von den Unregelmäßigkeiten betroffen sind. Eigentlich war die Frist am Donnerstag abgelaufen, der Autobauer bat aber um eine Verlängerung.

Positives gab es für den Konzern auch von technischer Seite. Zur Nachbesserung der manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum muss VW möglicherweise deutlich weniger Geld ausgeben als befürchtet. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" können die Schadstoffemissionen durch ein Software-Update und den Einbau eines rund zehn Euro teuren Sensors im Luftfilter behoben werden. Die Lösung wird derzeit geprüft.

In den USA haben laut VW 120.000 Kunden die angebotenen Einkaufsgutscheine angenommen. Das Unternehmen hatte seinen US-Kunden ein Paket nahegelegt, das einen Gutschein im Wert von 1.000 Dollar enthält. Eine Teilnahme bedeute laut Volkswagen of America nicht, dass die Kunden auf ihr Klagsrecht verzichten. Anwälte sammeln Munition für Schadenersatzklagen.

Klage auch in Australien

Eine solche wird auch in Australien vorbereitet. Die Anwaltskanzlei Maurice Blackburn kündigte an, für jeden Betroffenen umgerechnet 6.700 Euro Entschädigung zu fordern. Demnach wurden in Australien 90.000 Fahrzeuge manipuliert, die Schadenersatzforderung beliefe sich also auf rund 600 Millionen Euro.

Rechtliche Schritte prüft auch der Vermögensverwalter Fidelity International, sagte dessen Finanzchef Trelawny Williams am Donnerstag. Das Unternehmen, mit einem betreuten Vermögen von 231 Milliarden Euro einer der größten Investmentmanager der Welt, will damit seine Verluste mit VW-Aktien reduzieren. Wie viele davon Fidelity International derzeit noch in seinem Portfolio hat, wollte man nicht beziffern. (red, 20.11.2015)

  • VW lässt die Hüllen fallen: Am Freitag muss der Konzern den US-Behörden einen Plan zum Rückruf von knapp 500.000 Dieselfahrzeugen vorlegen. Gutscheine für US-Kunden kosten den Autobauer mehr als 100 Millionen Dollar.
    foto: foto: reuters/charisius

    VW lässt die Hüllen fallen: Am Freitag muss der Konzern den US-Behörden einen Plan zum Rückruf von knapp 500.000 Dieselfahrzeugen vorlegen. Gutscheine für US-Kunden kosten den Autobauer mehr als 100 Millionen Dollar.

  • So schön romantisch wie dieser alte Bulli sind die betroffenen Fahrzeuge wohl nicht.
    foto: apa/afp/robyn beck

    So schön romantisch wie dieser alte Bulli sind die betroffenen Fahrzeuge wohl nicht.

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