Ein Fatschentanz zur Baumusik

19. November 2015, 16:50
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Bernhard Langs "Monadologie XVIII ,Moving Architecture'" bei Wien Modern im Tanzquartier

Wien – Es war ein gespenstischer Auftritt in geisterhaftem Licht. Das Tanzquartier-Gastspiel Monadologie XVIII "Moving Architecture" des Komponisten Bernhard Lang mit dem Ensemble Phace und der Choreografin Silke Grabinger im Rahmen von Wien Modern trug ein Phantom in sich: die Architektur des von Raimund Abraham (1933-2010) erbauten Austrian Cultural Forum in New York.

Diese Begegnung von Neuer Musik, heutigem Tanz und jüngerer Baukunst war nicht nur spukhaft inszeniert, sie wirkte auch wie ein Wiedergänger, weil Lang vor zwölf Jahren beim Steirischen Herbst eine ganz andere Begegnung dieser Art präsentierte: das "Theater der Wiederholungen" mit dem französischen Choreografen Xavier Le Roy. Dieser setzte zwei Jahre später mit der Wiener Taschenoper Musiker bei Mouvements for Lachenmann in Bewegung. Beide Arbeiten waren brillant durchdacht und so schlüssig wie provokant umgesetzt.

Seither wurden immer wieder einmal Musikensembles zum Tanzen gebracht. Meist war das auszuhalten. An die Qualitäten erwähnter Stücke kam es nie heran – auch nicht 2010 bei Anne Teresa De Keersmaekers Kooperation mit Jérôme Bel, 3Abschied. Nun haben Lang und Phace Silke Grabinger zur Kooperation eingeladen, die im Vergleich eher ein Poltergeist als eine relevante Vertreterin der Gegenwartschoreografie ist.

Sie hat es geschafft, den raffinierten Flächen, Kanten, Schnitten, Schichtungen und Raumelementen der Lang'schen Musikarchitektur, die Phace mit schöner Akribie umzusetzen wusste, ein bisschen Halloweenstimmung aufzusetzen. Passend weniger zur Musik als vielmehr zum zombiehaften Bewegungsmaterial schuf Bianca Fladerer für die Musiker und die beiden jungen Tänzer (heldenhaft: Barbara Vuzem und Matej Kubus) weiße Kostüme mit Fatschen, die dem Ganzen die Note einer verpatzten Kindergruselparty verliehen.

Immerhin leistete Daisy Press unheimlichen Stimmeinsatz, und Joseph Trafton (findig g'schalnt in Schwarz-Weiß) dirigierte so einfühlsam wie barfuß. Insgesamt keine misslungene Arbeit. Mit klügerer Choreografie und Kostümierung wäre sie ein tolles Erlebnis geworden. (Helmut Ploebst, 19.11.2015)

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