Wrabetz will Formel 1 bis 2020 im ORF

19. November 2015, 16:19
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ORF-Gremium beschließt Wahltermin für die Generaldirektion, Ö1-Reform und Klassikplattform

Wien – Verschärfte Personenkontrollen am Küniglberg aufgrund der Terroranschläge von Paris – im Inneren hält die Tagesordnung: Am Donnerstag beschließt der ORF-Stiftungsrat den Termin der Wahl des neuen Generaldirektors mit 9. August 2016. Bis 30. Juni können sich Kandidaten nach gesetzlich vorgeschriebener Frist bewerben. Das Wahlprozedere im Detail – Ausschreibungstext, Nachfristen, Abstimmungsprozess – wird im nächsten Jahr fixiert, sagt Gremiumsvorsitzender Dietmar Hoscher. Dass Alexander Wrabetz eine dritte Amtszeit anstrebt, will dieser vor Journalisten nicht eindeutig verraten: Es sei "zu früh, mehr zu sagen".

Budgethoheit

Keine Stimme bekäme Generaldirektor Alexander Wrabetz von VP-Stiftungsratsmitglied Thomas Zach, wenn die geplante ORF-Struktur weiterhin einen zentralen Infodirektor vorsieht: "Meinungspluralismus hat strikte Priorität", insistiert Zach. Neos-Rat Hans Peter Haselsteiner will einen neuen Entwurf abwarten. Sein Kollege aus Kärnten, Siggi Neuschitzer, hat damit kein Problem. Er will aber sichergestellt wissen, dass "die neue Direktion auch Budgethoheit hat". Im jetzigen Entwurf sei das unklar.

Die Formel 1 dürfte weiter beim ORF bleiben. Wrabetz informierte den Stiftungsrat, dass er in Verhandlungen über eine Verlängerung sei: "Die Kosten müssen stimmen", sagt Wrabetz. 15 Millionen Euro pro Jahr ließ sich der ORF eine Rennsaison kosten. Bis inklusive 2020 finden Rennen in Spielberg statt, ausverhandelt werden soll ein günstigerer Preis.

Ö1-Reförmchen

Abgesegnet hat der Stiftungsrat das Programmschema für Fernsehen mit der Gegenstimme vom grünen Stiftungsrat, Wilfried Embacher, dem das Frühstücksfernsehen im ORF ab März missfällt .

Einstimmige Beschlüsse gab es für das Radioprogrammschema und damit auch für die Reform von Ö1: Aus einer ursprünglich geplanten größeren Änderung des Programmschemas mit höherem Wortanteil und neuen Formaten wie einer Talk-Sendung nach dem Mittagsjournal oder einem regelmäßigen Medienmagazin wird vorerst nichts. In einem ersten Schritt kommt lediglich eine leichte Schema-Adaptierung: Frühjournal und Nachtjournal werden verkürzt, das Morgenjournal um acht Uhr wird verlängert.

ORF-Zentralbetriebsrat und Stiftungsrat Gerhard Moser kritisierte am Donnerstag einmal mehr den geplanten Verkauf des ORF-Funkhauses und verteilte vor der Sitzung Funkhaus-Bücher an die Mitglieder des Gremiums. "Ich bewundere die Gelassenheit des Gremiums, das die Protestwelle um das Funkhaus nicht einmal ignoriert", sagte Moser.

Klassikplattform kommt

Beschlossen wurden auch Onlinevorhaben, darunter das Klassikportal, das der ORF mit Unitel von Jan Mojto gründet und ab 2016 per Videoplattform klassische Musikinhalte anbietet. Mojto und ORF halten je 50 Prozent, der ORF investiert 700.000 Euro. Die Plattform soll aus einem TV-Klassikkanal, der 24 Stunden Programm täglich sendet, Video-on-Demand-Angebot, bei dem Opern oder Konzerte abgerufen werden können, sowie Live-Übertragungen bestehen. (prie, APA, 20.11.2015))

  • Der ORF-Stiftungsrat tagte unter verschärften Sicherheitsbedingungen am Küniglberg.
    foto: apa/herbert neubauer

    Der ORF-Stiftungsrat tagte unter verschärften Sicherheitsbedingungen am Küniglberg.

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