Boarden gegen die Armut

20. November 2015, 08:21
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Melanie Ruff gewann 80.000 Euro – ihre trendigen Ruffboards bauen Exhäftlinge, aus ausrangierten Snowbards

In puncto Marketing perfekt durchdacht: "Save a horse, ride a Ruffboard. Weil jeder eine zweite Chance verdient hat", trägt Melanie Ruff, Gründerin der Ruffboards, am T-Shirt. Sie überzeugte die Jury am vergangenen Freitag mit ihrem Unternehmensziel: Ausrangierte Snowboards werden von Exhäftlingen (in Kooperation mit dem Verein Neustart) in einer Werkstatt im 18. Wiener Bezirk zu Longboards upgecycelt.

Ruffboards: Das ist ein bestehendes Projekt gegen Ausgrenzung von ehemaligen Insassen vom Arbeitsmarkt. Ungewöhnlich für ein Start-up der Jetztzeit: Es geht um die soziale Wirksamkeit – und kommt ohne Apps und Codes aus. Die Produkte – man kann online auch selbst designen – heißen dann ganz national "Pummerin", "Fesche Sopherl" oder "Berti". 80.000 Euro erhält das soziale Unternehmen jetzt als Anschub finanzierung der "Ideen gegen Armut" – das größte heimische Projekt zur Finanzierung wirk samer Ideen gegen Armut in Österreich.

Wohnungssuchende Flüchtlinge

Die Partner: Coca-Cola, das Kompetenzzentrum für Non profit-Organisationen und Social Entrepreneurship an der Wiener Wirtschaftsuni (WU) und der STANDARD. 60.000 Euro in bar und 20.000 Euro Beratungsleistung (durch die WU-Experten und Contrast Management Consulting) nimmt das Team konkret mit – diese Ressourcen werden in die Expansion, den Auftritt bei Messen und Events und in die Ausweitung der Produktion investiert. Für das Preisgeld besteht keine Rückzahlungspflicht, wie Initiator Philipp Bodzenta (Coca-Cola) betont: "Uns geht es um die soziale Rendite."

Sein zehnköpfiges Advisory-Board hatte es heuer besonders schwer. Anerkennungspreis eMonetäre Anerkennungspreise zwischen 600 und 3000 Euro erhielten: die Plattform "Flüchtlinge willkommen" – sie bringt wohnungssuchende Flüchtlinge mit privaten Unterkunftgebern zusammen, das Linzer Projekt Solid.Art, das aus dem Arbeitsprozess gefallene Handwerker (Meister) mit jungen Lehrlingen und Designern in der Linzer Tabakregie zum Upcyceln von Holz für den Möbelbau zusammenbringt, die Shades Tours, die mit besonderen Stadtführungen Obdachlosen Einkommen ermöglichen und die "normale" Welt mit jener der Obdachlosen verbinden, sowie die Owizahra aus Oberösterreich, die Jugendliche durch Tätigkeiten beim Kellerentrümpeln plus angeschlossenem Verkaufszentrum Beschäftigung und Tagesstruktur inklusive Einkommen bieten.

Das perfekte Brett

"Wir hatten zu Anfang von der Start-up-Szene überhaupt keine Ahnung", sagt Ruff, die Doktorin der Geschichte ist. "Wir waren Quereinsteiger. Wir haben uns unser ganzes Wissen im Selbststudium oder über Kurse bei der Wirtschaftsagentur, im Impact Hub oder der Wirtschaftskammer angeeignet."

Und die Idee entstand aus dem Wunsch der leidenschaftlichen Boarderin, das perfekte Brett zu finden – oder eben notfalls gemeinsam mit Freundin und Kogründerin Simone Melda selber zu bauen. Tuff enough sozusagen reiht sich Melanie Ruff in die vielen Dutzenden der von dem "Ideen gegen Armut"-Team begleiteten und prämierten Projekte."Social Entrepreneurs sind vor allem andere Innovatoren, die eine neue Sichtweise auf die Lösung von gesellschaftlichen Problemstellungen unserer Zeit anbieten können.

'Ideen gegen Armut' unterstützt sie nicht nur finanziell dabei, ihr soziales Geschäftsmodell auf den Boden zu bringen, sondern begleitet sie auch bei der Weiterentwicklung ihres Lösungsansatzes. Und das ist ausschlaggebend, um das volle Potenzial dieser Innovationen auszunutzen und sie multiplizierbar zu machen – denn gerade jetzt brauchen wir Ideen, die auch im richtigen Leben funktionieren", sagt Jurorin Barbara Coudenhove-Kalergi (Bereich Gesellschaftliche Verantwortung in der Industriellenvereinigung). (Karin Bauer, 20.11.2015)

  • Snapshot gleich nach der Siegerkür: Herbert Prochaska (Longboard-Shaper), Nikolaus Hutter (zuständig für Finanzen), Philipp Altmann (Sourcing) und Melanie Ruff mit symbolischem Scheck.
    foto: ben doro dad

    Snapshot gleich nach der Siegerkür: Herbert Prochaska (Longboard-Shaper), Nikolaus Hutter (zuständig für Finanzen), Philipp Altmann (Sourcing) und Melanie Ruff mit symbolischem Scheck.

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