21-Jähriger erstach Exfreundin: 20 Jahre Haft

19. November 2015, 15:50
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Saalfeldner soll Teile der 19-Jährigen verspeist haben. Geschworene hielten ihn für zurechnungsfähig und verhängten die Höchststrafe

Salzburg – Eine abschließende Stellungnahme wollte der 21-Jährige aus Saalfelden nicht abgeben. "Ich habe meine Aussagen gemacht, dabei bleibt es", erklärte er knapp. Trotzdem bleibt einiges offen nach dem Mordprozess gegen den jungen Mann. Verschiedene Versionen zu seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit und zu seinem Motiv prägten die Verhandlung. Der 21-Jährige soll seine 19-jährige Exfreundin mit 50 Messerstichen ermordet und danach verstümmelt haben. Teile der Leiche habe er verspeist, weil er die "menschliche Kraft" gebraucht habe, schilderte der Angeklagte bei seiner Einvernahme.

Die Geschworenen verurteilten den Mann am Donnerstagnachmittag im Sinne der Anklage wegen Mordes zu 20 Jahren Haft und befanden ihn für zurechnungsfähig. Er soll in eine Anstalt für geistig abnorme, aber zurechnungsfähige Rechtsbrecher eingewiesen werden.

Innere Stimmen oder Eifersuchtsmord

Dass er den Mord begangen habe, darüber herrschte im Gerichtssaal kein Zweifel. Der junge Mann war von Beginn an geständig, tischte aber zwei verschiedene Motive auf. Vor Gericht erzählte er eine Geschichte von inneren Stimmen, die ihn dazu bewegt hätten, seine ehemalige Freundin zu töten, sonst wäre er der Nächste gewesen. Hinzu kommen Verbindungen zu einer satanistischen Sekte in den USA, Okkultismus und Kannibalismus.

Bei seinen Befragungen durch den psychiatrischen Gutachter und bei Einvernahmen durch die Polizei hingegen erklärte der 21-Jährige, er habe diese Geschichten alle erfunden. Staatsanwältin Karin Sperling geht von einer Eifersuchtstat aus. Der Angeklagte versuche, sich im Prozess paranoid darzustellen. Sperling beantragte die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme, aber zurechnungsfähige Rechtsbrecher.

Zurechnungsfähigkeit infrage gestellt

Zu klären hatten die Geschworenen auch, ob der 21-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war oder nicht. In der Verhandlung gab es dazu zwei verschiedene Ansichten. Der vom Gericht bestellte psychiatrische Sachverständige Ernst Griebnitz attestierte dem Angeklagten zwar eine Persönlichkeitsstörung und er sei hochgradig gefährlich, jedoch sei er zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen. Der Privatgutachter Reinhard Haller, den Verteidigerin Liane Hirschbrich hinzuzog, sieht das anders: Der 21-Jährige leide seiner Meinung nach unter einer paranoid-halluzinatorischen Psychose, sei deshalb geisteskrank und nicht zurechnungsfähig.

Verteidigerin gegen Richterin und Gutachter

Verteidigerin Hirschbrich hat in den letzten Verhandlungstagen zahlreiche Rechtsmittel eingebracht. Darunter auch ein Antrag auf Enthebung von Griebnitz, dessen Gutachten sie als "mangelhaft, oberflächlich und leichtsinnig" bezeichnete, auch die vorsitzende Richterin Bettina Maxones lehnte die Verteidigerin "aus Befangenheit" ab. Nach Ansicht von Hirschbrich hätte die Richterin eine vorgefasste Meinung, lehne Beweisanträge, die den Angeklagten entlasten würden, ab und beeinflusse die Geschworenen. Das Gericht wies die Anträge ab.

Die Geschworenen haben auch die geforderten Privatbeteiligtenansprüche der Familie zuerkannt. Die Mutter und der Bruder des Opfers bekommen je 35.000 Euro Schmerzensgeld, der Vater 25.000, weil dieser nicht im gemeinsamen Haushalt lebte. Zudem wurden die Begräbnis- und Grabkosten zuerkannt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin hat eine Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung angemeldet. (Stefanie Ruep, 19.11.2012)

  • Der 21-Jährige aus Saalfelden erzählte von zwei verschiedenen Motiven, warum er seine Exfreundin erstochen hatte.
    foto: apa / barbara gindl

    Der 21-Jährige aus Saalfelden erzählte von zwei verschiedenen Motiven, warum er seine Exfreundin erstochen hatte.

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