Österreich rutscht im internationalen Steuerwettbewerb ab

19. November 2015, 14:05
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Laut einer Studie von Weltbank und PwC leiden die Unternehmen unter der Last

Wien – Im Schnitt verbringt ein mittelgroßes Unternehmen in Österreich 166 Stunden mit der Erfüllung seiner Steuer- und Abgabenpflicht. Das ist die gute Nachricht. Denn Österreich ist damit beim Zeitaufwand für die Steuererklärung besser als der Durchschnitt. Weltweit liegt dieser nämlich bei 261 Stunden und in der EU und im Efta-Raum bei 173 Stunden. Vor zehn Jahren war der Aufwand weltweit noch um 61 Stunden höher – dank Digitalisierung der Steuererklärung und des elektronischen Zahlungsverkehrs ging der Zeitaufwand inzwischen deutlich zurück. Die Schweiz und Norwegen sind allerdings mit einem Zeitaufwand von 63 beziehungsweise 83 Stunden wesentlich besser für Unternehmer als Österreich; Deutschland mit 218 Stunden ist dafür deutlich schlechter.

Hohe Steuerlast

Und damit sind wir schon bei den weniger guten Nachrichten für Österreich: Mehr als jeden zweiten verdienten Euro müssen Unternehmen an den Fiskus abliefern. Obwohl das Hochsteuerland diesbezüglich ohnehin schon zu den unattraktivsten 20 Prozent der Welt gehört, ist es im internationalen Vergleich gegenüber dem Vorjahr von Platz 72 auf Platz 74 noch weiter abgerutscht, geht aus einer aktuellen Studie der Weltbank und des Unternehmensberaters PwC hervor.

Für Rudolf Krickl, Partner und Steuerexperte bei PwC Österreich keine Überraschung, wie er in einer Aussendung erklärt: "Die Steuergesetze in Österreich haben weiter an Komplexität zugenommen. Dieser Trend setzt sich in der Steuerreform des Jahres 2015 fort."

Nur dank der bei der Gesamtbewertung der Steuerstandorte (neben der Steuerquote) ebenfalls berücksichtigten Faktoren "Zeitaufwand für die Steuererklärung" und "Zahl der Steuerzahlungen pro Jahr" bewegt sich Österreich noch in der Nähe des oberen Drittels der weltweit 189 verglichenen Länder.

Im internationalen Vergleich

Mit einer Gesamtsteuerbelastung von 51,7 Prozent fordert die Finanz hierzulande einen gleich hohen Anteil des Unternehmensgewinns ein wie beispielsweise in Mexiko beziehungsweise bürdet eine ähnliche Last auf wie in Japan (51,3 Prozent), der Slowakei (51,2 Prozent), Tschechien (50,4 Prozent), Spanien (50,0 Prozent) oder Griechenland (49,6 Prozent). Mehr belastet als in Österreich werden die Betriebe innerhalb der EU allerdings in Belgien (58,4 Prozent), Frankreich (62,7 Prozent) und Italien (64,8 Prozent), wie aus der Erhebung "Paying Taxes 2016" hervorgeht.

Wesentlich günstiger wirtschaften als in Österreich können Betriebe hingegen in Kroatien (20 Prozent), Luxemburg (20,1 Prozent), Zypern (24,4 Prozent), Dänemark (24,5 Prozent), Irland (25,9 Prozent), Bulgarien (27 Prozent), der Schweiz (28,8 Prozent), Slowenien (31,0 Prozent) und Großbritannien (32 Prozent).

Komplexe Bewertung

Im internationalen Steuerwettbewerb in der Gesamtwertung führend sind laut Weltbank und PwC Katar gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. In die Bewertung der 189 untersuchten Länder fließen neben der Steuersumme auch Faktoren wie Zeitaufwand zur Erfüllung der Steuerpflicht und Menge der Zahlungstransaktionen ein. Die Gesamtsteuerbelastung in den beiden führenden Ländern liegt bei 11,3 beziehungsweise 15,9 Prozent. An dritter Stelle im weltweiten Vergleich rangiert Saudi-Arabien (Steuerquote: 15 Prozent), gefolgt von Hongkong (22,8 Prozent), Singapur (18,4 Prozent) und – als bestem EU-Land – auf Rang 6 Irland (25,9 Prozent).

Als europäische Länder im Spitzenfeld der attraktivsten Steuerländer vertreten sind zudem Dänemark auf Platz 12, Norwegen und Großbritannien auf Rang 14 und 15 sowie Finnland (17. Platz / Steuerquote: 37,9 Prozent), die Schweiz (19. bzw. 28,8 Prozent), Luxemburg (21. bzw. 20,1 Prozent) und die Niederlande (26. bzw. 41 Prozent).

Der weltweite Schnitt für die Steuerbelastung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) habe im abgelaufenen Jahr 40,8 Prozent betragen – zehn Jahre davor waren es noch 52,2 Prozent. "Es ist ermutigend zu sehen, dass sich das fiskalische Umfeld in immer mehr Volkswirtschaften substanziell verbessert – damit sinken die Lasten für die Unternehmen, während die Regierungen zugleich auf nachhaltige Einnahmen vertrauen können", schreibt Weltbank-Direktor Augusto Lopez-Claros in einer Aussendung.

Überdurchschnittlich teuer

In Europa liegt die durchschnittliche Gesamtsteuerbelastung von Unternehmen den Angaben zufolge bei 40,6 Prozent – Österreich ist mit 51,7 Prozent also überdurchschnittlich teuer und somit unattraktiver für Betriebe als andere Länder.

Lohn- und Ertragssteuern machen weltweit im Schnitt vier Fünftel der von Unternehmen direkt gezahlten Steuern aus. Betriebe müssen neben Gewinn- oder Körperschaftsteuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern auf Arbeit unter anderem auch Vermögenssteuern, Grunderwerbsteuern, Dividendensteuern, Kapitalertragssteuern, Finanztransaktionssteuern, Müllgebühren, Kfz-Steuern und Straßenabgaben entrichten. (APA, 19.11.2015)

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