Lisl Steiner: Worum es wirklich geht

19. November 2015, 14:25
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Die Monografie "Lisl Baby" versammelt Bilder der 1927 in Wien geborenen Fotografin, die den American Way of Life dokumentierte

"Das Unbekannte hat mich immer inspiriert. Es hat mich immer in Situationen gebracht, die mich von einem Ort zum anderen getrieben haben. Von einer Erfahrung zur nächsten, von einem Menschen oder einem Ort zum nächsten, dieser unentwegte Antrieb offenbart die Schönheit des Lebens." Reflexionen einer unangepassten, unkonventionellen Exzentrikerin.

Lässt man die Vita der Lisl Steiner Revue passieren, wird klar, was sie meint: 1938 musste die 1927 in Wien Geborene vor den Nazis flüchten. In Buenos Aires studierte sie Kunst, begann zu arbeiten, war in 50 Dokumentarfilme involviert. Ihre Karriere als Fotografin begann rein zufällig, als Autodidaktin. Musik ist ihre Passion, ebenso Gerechtigkeit. Ein Porträt von Argentiniens Präsident Pedro Eugenio Aramburu beim Angeln wurde in Life publiziert. 1960 zog Steiner nach New York, arbeitete für Time, Newsweek, New York Times und Associated Press.

Als Weltinteressierte dokumentierte sie den American Way of Life. Ihr Credo, nur mit natürlichem Licht zu fotografieren, sorgte für "intime Momentaufnahmen" von J.F.K., Martin Luther King, Jimmy Carter, Eisenhower, Nixon, Duke Ellington, Friedrich Gulda, Miles Davis, Pablo Neruda et alii. Louis Armstrong wollte mit ihr ins Bett, erzählt sie. Eine der persönlichen, höchst amüsanten Episoden, der zynisch-ungeschminkt-unprätentiösen Reminiszenzen, die den in der großartigen Monografie versammelten Fotos beigestellt sind. Ein Kunstwerk, angereichert mit Skizzen, Texten – vor allem mit Seele. Ein Augenschmaus, der sich auch zu lesen lohnt. Seltenheitswert. Applaus! (Gregor Auenhammer, Album, 19.11.2015)

Lisl Steiner, "Lisl Baby". € 99,00 / 224 Seiten, Edition Lammerhuber, Baden/Wien 2015.

  • Ein Amalgam aus Erinnerungen präsentiert uns Lisl Steiner in einer wunderbaren Monografie. Schon bevor er zum Máximo Líder wurde, porträtierte sie Fidel Castro.
    aufschlagseite aus "lisl baby", fotografiert von lukas friesenbichler.

    Ein Amalgam aus Erinnerungen präsentiert uns Lisl Steiner in einer wunderbaren Monografie. Schon bevor er zum Máximo Líder wurde, porträtierte sie Fidel Castro.

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