Deutschland schickt Xavier Naidoo zum Song Contest

19. November 2015, 10:52
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Die ARD entschied sich für den umstrittenen Künstler, die Fernsehzuschauer stimmen am 18. Februar über den Song ab

Berlin – Die ARD will Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest schicken. Der will "so schön und so gut singen wie noch nie in meinem Leben". Damit dürfen die Zuschauer bei der Show "Unser Song für Xavier" am 18. Februar nur noch über den Song abstimmen, mit dem Naidoo ins Rennen gehen soll.

"Ich hab richtig Lust auf den ESC! Dieser völkerverbindende Wettbewerb ist für mich etwas ganz Besonderes. Und klar, ich trete an, um das Ding nach Hause zu holen", wurde Naidoo auf der Seite eurovision.de zitiert. Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet.

"Ausnahmekünstler"

"Ich will in den drei Minuten auf der Bühne zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen. Und zeigen, wofür ich stehe – für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander", sagte Naidoo. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte, Naidoo sei ein Ausnahmekünstler, der seit 20 Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben habe. Deshalb sei er direkt nominiert worden. "Wir bitten die besten Produzenten und Komponisten Deutschlands, für Xavier zu schreiben." 2015 war Deutschland mit null Punkten (wie Österreich) auf dem letzten Platz gelandet.

Die ARD ändert damit ihr Konzept. Bisher gab es einen Wettbewerb, aus dem der deutsche ESC-Kandidat hervorging. Vergangenes Mal hatte Sieger Andreas Kümmert die Wahl nicht angenommen, sodass die zweitplatzierte Ann-Sophie in Österreich antrat.

Naidoo hat seine Alben in Deutschland millionenfach verkauft. Mit "Dieser Weg" lieferte er 2006 den Hit zum Fußball-Sommermärchen. Den Musikpreis Echo bekam er sechsmal, zuletzt in diesem Jahr. Derzeit ist er mit den Söhnen Mannheims anlässlich des 20-jährigen Bandjubiläums auf Tour.

Politisch umstritten

Mehrfach sorgte der Mannheimer für politische Diskussionen – etwa als er am Tag der deutschen Einheit vor den rechtspopulistischen "Reichsbürgern" sprach, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen. 2011 hatte er im ARD-"Morgenmagazin" erklärt: "Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land."

Der nächste Song Contest findet im Mai 2016 in Stockholm statt, nachdem der Schwede Mans Zelmerlöw dieses Jahr mit seinem Song "Heroes" gewonnen hat. (APA, 19.11.2015)

Update (14.34 Uhr):

Gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa verteidigt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber die Entscheidung für Naidoo. Man habe gewusst, dass der Künstler polarisiere. Die Frage sei, "ob alle Hassäußerungen, die es in den sozialen Netzwerken gibt, eine sachliche Grundlage haben".

Xavier Naidoo stehe für Toleranz gegenüber allen Lebensentwürfen in Deutschland und habe kürzlich auch eine Resolution für die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe unterschrieben. Entscheidend für Schreiber sei, "dass Xavier Naidoo sich auf die Idee einlässt, das Publikum entscheiden zu lassen, mit welchem Lied er nach Stockholm" fahre. (red)

  • Heftig umstrittener Song-Contest-Kandidat: Xavier Naidoo.
    foto: epa/britta pedersen

    Heftig umstrittener Song-Contest-Kandidat: Xavier Naidoo.

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