Großbritannien setzt auf Atomkraft statt Kohle

19. November 2015, 09:53
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Regierung will Kohlekraftwerke aus dem Verkehr ziehen

London – Großbritannien will seine Kohlekraftwerke in den kommenden Jahren Schritt für Schritt vom Netz nehmen. Kohle sei nicht die Zukunft, sagte Energieministerin Amber Rudd am Mittwoch. Zum Ausgleich wolle das Land, das seine Rolle als Vorreiter der industriellen Revolution nicht zuletzt seinen Kohlereserven verdankt, verstärkt in Gas- und Atomkraftwerke investieren. Das stelle einen der bedeutendsten und kostengünstigsten Beiträge dar, die Großbritannien zur Reduzierung von Emissionen bei der Stromerzeugung leisten könne.

Für eine fortschrittliche Wirtschaft wie die britische könne es nicht zufriedenstellend sein, "von schmutzigen und 50 Jahre alten Kohlekraftwerken abzuhängen", sagte Rudd. Gas hingegen sei "für die Energiesicherheit unserer Zukunft entscheidend". In den kommenden zehn Jahren sollten zahlreiche neue Gaskraftwerke in Betrieb genommen werden.

Obwohl Gas emissionsärmer als Kohle ist, setzt es beim Verbrennen immer noch erhebliche Mengen Kohlenstoffdioxid frei. Umweltschützer fordern daher, statt in Gas noch stärker in Wind- und Solarkraft zu investieren. Der Kohle abzuschwören, ist laut Simon Bullock von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth einerseits "unverzichtbar". Andererseits aber auf Gas zu setzen sei so, "als ob ein Alkoholiker von täglich zwei Flaschen Whisky auf täglich zwei Flaschen Portwein umsteigt".

Niklas Schinerl von Greenpeace Deutschland begrüßte, dass Großbritannien "den Klimakiller" Kohle aufgeben wolle. Zugleich warnte er davor, im Gegenzug auf die "teure Risikotechnologie" Atomkraft zu bauen. Zwei Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris nannte Schinerl es "eine Schande, dass ausgerechnet das Energiewendeland Deutschland sich weiter an die Kohle klammert". (APA, 19.11.2015)

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