Terrorangst in Deutschland: Alle müssen lernen

Kommentar18. November 2015, 17:49
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Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit

Deutschland hat bittere Erfahrungen mit Terror. In den 70er- und 80er-Jahren mordete sich die RAF quer durch die Republik. Doch jetzt, da aus Sorge vor einem Anschlag das Fußballländerspiel gegen die Niederlande abgesagt worden ist, ist die Lage eine andere.

Nicht Repräsentanten des politischen und wirtschaftlichen Systems sind im Visier der Terroristen, sondern alle Bürger. Das macht Angst. Umso wichtiger ist, dass die Politik kühlen Kopf behält. Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière (CDU) ist kein Hitzkopf, man kann davon ausgehen, dass die Absage des Spiels wohlüberlegt war.

Doch genaue Auskünfte wehrte der Minister mit der Begründung ab: "Teile der Antworten würden die Bevölkerung verunsichern." Bei allem Verständnis dafür, dass Sicherheitskreise ihre Erkenntnisse natürlich niemals völlig offenlegen können – das war keine optimale Performance.

Weil man sich gerade in düsteren Zeiten den Humor bewahren muss, wird de Maizière im Internet schon heftig durch den Kakao gezogen – nach dem Motto: Wenn eine Frau ihren Mann fragt, ob er sie liebe, und dieser dann wie der Minister antwortet, dann ist Feuer am Dach.

Die Pariser Anschläge und der Hinweis auf einen Anschlag in Hannover haben den Terror näher an Deutschland rücken lassen. Jetzt müssen alle lernen: die Bürger, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Und Politiker, dass jede Aussage auf die Goldwaage kommt. (Birgit Baumann, 18.11.2015)

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