"Luis Trenker – Der schmale Grat" auf ORF 2: Der Bergbauernschlaue

19. November 2015, 07:30
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Der Film über den Alpenregisseur hätte ein Versuch sein können, in seiner Biografie Trittfestigkeit zu fassen. Er wurde zum Stolperstein

In den 1980ern war Luis Trenker gern gesehener Gast in Fernsehshows. Der trauten Familienglückseligkeit sahen sich Entertainer von Peter Alexander, Robert Lembke bis Anneliese Rothenberger verpflichtet und luden den immer lustigen Öhi gerne ein. Der sagte dann ein paar Sätze: "Hosch, jo, hoi, kimm eini, bisch deppert, sackra Haxn!", wachelte mit seinem Berghut, und daheim lachten sie: Ja, das ist einer, der nimmt sich kein Blatt vor den Mund! Und: Alle Achtung, so alt und noch so beieinander! Und: Das ist die frische Luft! Mehr wusste man über den Alpinfilmregisseur Luis Trenker im Allgemeinen nicht. Es war genug.

Der Umgang mit dem Phänomen Trenker war lange Zeit Spiegelbild der verhatschten Vergangenheitsbewältigung. Der Film Luis Trenker – Der schmale Grat, Mittwochabend im ORF, hätte ein Versuch sein können, in dieser Biografie Trittfestigkeit zu fassen.

Allein er wurde zum Stolperstein. Die Frage, die sich all jenen stellt, die die Auftritte Trenkers noch gesehen haben, wäre gewesen: Wie wird man zur Karikatur seiner selbst? Tobias Moretti interpretiert Trenker als kaltschnäuzigen Karrieristen, der seine Filme mit Bergbauernschläue durchsetzt und sich den Applaus der Nationalsozialisten gefallen lässt. Seine Geliebte und spätere Rivalin Leni Riefenstahl spielt Brigitte Hobmeier als gelenkige Fanatikerin. Auf dem schmalen Grat zur Posse rutschen beide immer wieder ab. Die Geschichte findet keinen Faden, wirkt unentschlossen und unfertig.

Als Regisseur übernahm Wolfgang Murnberger zu einem späten Zeitpunkt, nachdem der ursprünglich vorgesehene Julian Pölsler das Projekt verlassen hatte. Am Ende: kein Gipfelsieg. (Doris Priesching, 19.11.2015)

  • Tobias Moretti interpretiert Trenker als kaltschnäuzigen Karrieristen, der seine Filme mit Bergbauernschläue durchsetzt und sich den Applaus der Nationalsozialisten gefallen lässt.
    foto: orf/epo film/roxy film/christian hartmann

    Tobias Moretti interpretiert Trenker als kaltschnäuzigen Karrieristen, der seine Filme mit Bergbauernschläue durchsetzt und sich den Applaus der Nationalsozialisten gefallen lässt.

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