"Freistatt": Endstation Erziehungsheim

19. November 2015, 11:23
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Marc Brummunds Spielfilmdebüt erzählt von einer norddeutschen Fürsorgeanstalt Ende der 1960er-Jahre

1933 schrieben Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor das Moorsoldatenlied. Wenn es in Marc Brummunds Ende der 1960er-Jahre spielendem Filmdrama Freistatt von norddeutschen Heimkindern gesungen wird, ist klar, dass das Leben in der titelgebenden Fürsorgeanstalt von den gesellschaftlichen Veränderungen, die zeitgleich andernorts stattfinden, kaum tangiert wird.

Tagsüber heißt es Torf stechen im Moor, abends lernt man aus erster Hand, was Hackordnung bedeutet. Keine Grausamkeit auslassend, führt der Film am Beispiel des 14-jährigen Wolfgang (Louis Hofmann), der sich gegen einen Oberbruder auflehnt, aus, wie in der als reiner Wirtschaftsbetrieb geführten Anstalt über Jahrzehnte Jugendliche gebrochen werden.

Gesellschaftliche und individuelle Ursachenforschung spart das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Drehbuch weitestgehend aus, eine einprägsame Ensemble- und Kameraarbeit stehen dafür auf der Habenseite von Brummunds Spielfilmdebüt. (wall, 19.11.2015)

  • Torf stechen im Moor: "Freistatt" erzählt von einem Jugendlichen (Louis Hofmann) in den 1960ern.
    foto: polyfilm

    Torf stechen im Moor: "Freistatt" erzählt von einem Jugendlichen (Louis Hofmann) in den 1960ern.

  • vipmagazin
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