Ausnüchterungstour durch Wien

Kolumne20. November 2015, 11:46
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Im Nachtbus durch Wien zu fahren hat mehrere gute Seiten. Das freundliche Personal, man kommt nach Hause, und dort geht es einem dann auch gleich besser

Als Kollege Franz J. jüngst ein Beisl nächst des Wiener Schwedenplatzes aufsuchte, um einem Freund aus lang vergangenen Jugendtagen als Live-Musiker zu lauschen, ahnte er nicht, wohin (ihn) dieser entspannte Abend führen würde. Durch die halbe Stadt wurde er kutschiert, dies jedoch nicht von einem Taxifahrer, der den – milde ausgedrückt – angeheiterten Zustand seines Fahrgastes ausnützte. Nein.

Als Franz J. aus dem Lokal stolperte und inmitten übermütiger Nachtschwärmer trüben Blickes begann, Ausschau nach einem Taxi zu halten, fiel ihm ein Nachtbus auf. Der Weg nach Liesing ist weit und Zeit war im Überfluss vorhanden, also ließ er sich im Omnibus nieder – nicht ohne den Busfahrer zu einem Weckruf zu ermuntern.

Letzteres sollte sich als klug und vorausschauend erweisen. Denn auf einer langen Reise kann man schon mal den Überblick verlieren, zumal die fetzig "Nightline" genannten, zwischen eins und fünf halbstündlich verkehrenden, Busse von der City in die Maurer Peripherie mindestens eine halbe Ewigkeit unterwegs sind. Wohl gibt der Fahrplan die Fahrtdauer mit nur 39 Minuten an. Aber allein bis sich das Vehikel vom Donaukanal über die Ringstraße zur Wienzeile wälzt, vergeht eine Ewigkeit. Margaretengürtel – Längenfeldgasse – Hietzing/Kennedybrücke – Speising – da kann man schon verzagen.

Oder schlafen, wie Franz J., der vom Chauffeur am Maurer Hauptplatz freundlich, aber bestimmt aus der warmen Stube geleitet wurde. Das Gute an der Odyssee: "Nach gefühlten drei Stunden bist wieder nüchtern." (Luise Ungerboeck, 20.11.2015)

  • Die fetzig "Nightline" genannten Busse der Wiener Linien verkehren zwischen eins und fünf halbstündlich.
    foto: wiener linien

    Die fetzig "Nightline" genannten Busse der Wiener Linien verkehren zwischen eins und fünf halbstündlich.

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