Chinas Kreditgauner am Online-Pranger

19. November 2015, 05:30
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Geschäftemacher zahlen Schulden nicht zurück. Der Zahlungsmoral wird nachgeholfen, indem Schuldner auf schwarze Listen gesetzt werden

Chinesen fürchten bekanntlich nichts so sehr, wie ihr Gesicht zu verlieren. Doch das gilt nicht für die wachsende Zahl privater Geschäftemacher, windiger Unternehmer und anderer Zeitgenossen, die das Vertrauen in ihre Bonität verspielt haben.

Der Volksmund nennt sie "Lao Lai". Der Begriff ist eine Umschreibung für Schurken, Schufte, Kreditschwindler: Sie begleichen ihre Schulden nicht. Sie leben in Saus und Braus und könnten bezahlen, wenn sie wollten. Nur sie wollen nicht.

Lao Lai oft hoch verschuldet

Es gibt inzwischen eigene chinesische Webseiten nur zu dem Phänomen der Lao Lai, den sogenannten "Vertrauensbrechern." Die Gerichte geben in den meisten Klagefällen den Geschädigten Recht. Doch ihre Urteile auf Rückzahlungen lassen sich ohne durchsetzungsfähige Gerichtsvollzieher kaum umsetzen. Die Webseite der Volkszeitung listete im März 2014 die zehn am höchsten verschuldeten Lao Lai auf, denen nichts passierte. An erster Stelle der säumigen Zahler, die sich von keinem Gerichtsurteil beeindrucken ließen, stand der Kantoner Yan Zhanxin, der seinen Gläubigern 386 Millionen Yuan (mehr als 55 Millionen Euro) schuldete. An erster Stelle der Unternehmen stand die Kantoner Firma "Kaiping-Badequellen" mit 355 Millionen Yuan Schulden.

Geschädigte wehren sich

Gläubiger mobilisierten in Notwehraktionen die Medien, publizierten die Namen der schwarzen Schafe auf Leuchtanzeigetafeln in Einkaufszentren oder klebten Fotoplakate in den Wohnvierteln der von ihnen Beschuldigten auf.

Von Oktober 2013 bis November 2015 veröffentlichte das Mittlere Volksgericht Qingdao 14 Namenslisten mit 18.800 Lao-Lai-Fällen. Die Betroffenen zahlten einen Teil der Schulden zurück. Andere aber handelten nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Höhere Zahlungsmoral

Die Lage verändere sich aber, so die Zeitung. Die Zahlungsmoral habe sich verbessert: "Von nun an sind die guten Tage für alle Lao Lai vorbei." Den Durchbruch bringe ein am 10. November vorgestelltes Programm. Dabei werden die Namen aller säumigen Schuldner auf die "Schwarze Liste" bei den Fluggesellschaften gesetzt. Gerichtlich aktenkundig gewordene Schuldner durften nicht mehr fliegen. 3,17 Millionen Flüge wurden bisher verboten.

2010 und 2013 hatte das Oberste Gericht solche Maßnahmen als rechtsgemäß interpretiert. Nun wurde dies über Flüge hinaus ausgeweitet. Die Lao Lai sollen nichts unternehmen dürfen, was teuer oder luxuriös ist. Sie können also weder mit Hochgeschwindigkeitsbahnen fahren noch in Sternehotels übernachten oder bei Schiffsreisen erste Klasse fahren. Chinas vernetzte Computerprogramme machen es möglich, sie auf landesweiten schwarzen Listen zu erfassen und zu stoppen.

Schnelle Schuldentilgung

Die Betroffenen würden nun angeblich zu den Gerichtskassen eilen, um ihre Schulden zu begleichen, schreibt die Zeitung. Damit könnten sie wieder einen unbescholtenen Status erlangen. Den Gesichtsverlust, als säumige Zahler angeprangert zu werden, hatten sie noch ertragen können. "Aber nicht, dass sie nirgendwo mehr hinreisen dürfen." (Johnny Erling aus Peking, 19.11.2015)

  • Alles, was Spaß macht und luxuriös ist, soll den  Kreditschwindlern verwehrt sein. Besonders das Absteigen in Sternehotels (hier das Marriott in Peking) und  das Fliegen.
    foto: afp / franko lee

    Alles, was Spaß macht und luxuriös ist, soll den Kreditschwindlern verwehrt sein. Besonders das Absteigen in Sternehotels (hier das Marriott in Peking) und das Fliegen.

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