Niederösterreich als Land des Ökostroms

19. November 2015, 15:01
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Seit kurzem deckt Niederösterreich seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbarer Energie. Der World Wide Fund sieht in Sachen Energiewende trotzdem auch Aufholbedarf.

Sankt Pölten – Es war ein Anlass für viele lobende Worte und für feierliche Mienen, als der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) im November verkündete, dass in seinem Bundesland nun "100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie gedeckt werden". Niederösterreich sei zur "Modellregion" geworden. Das Jahr 2015 sei "ein bedeutendes Jahr für die Umweltpolitik in Niederösterreich", ergänzte Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP). Selbst die britische Zeitung Guardian und Le Monde berichteten dann darüber, dass Österreichs größtes Bundesland nun den gesamten Strom aus erneuerbarer Energie bezieht.

Zwar war es im Burgenland im Jahr 2013 so weit gewesen. Das flächenmäßig aber eher vergleichbare Oberösterreich will etwa laut Energiestrategie erst im Jahr 2030 dieses Ziel erreichen. Ist Niederösterreich in Sachen Energiewende also wirklich eine Modellregion, wie Pröll es ausdrückte?

Rang drei im Bundesländer-Ranking

Der Ende September präsentierte Energiewende-Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF) zeigte Positives, aber auch Aufholbedarf: Niederösterreich belegt darin hinter Vorarlberg und Wien Rang drei der neun Länder. Für die Bewertung nach dem sogenannten WWF-Bundesländer-Energiewende-Index wurden Politik, Effizienz, Erneuerbare, Gebäude und Verkehr betrachtet.

Politik gut, Verkehr schlecht

Besonders gut bewertete der WWF die niederösterreichische Energiepolitik und dabei insbesondere die Schritte für den Ausbau der erneuerbaren Energie und für Energieeffizienz. Hier gebe es breit aufgesetzte Umsetzungsstrategien und regelmäßige Bewertungen. Auch die Mittelverteilung bei der Wohnbauförderung hin zur Sanierung wurde positiv vermerkt. Allerdings steige der Strombedarf deutlich. Klar negativ ordnete der WWF die hohen Ausgaben im Bereich Verkehr für den Straßenbau ein. Kein Bundesland schnitt da schlechter ab.

Strombedarf steige wegen Wirtschaft

Umweltlandesrat Pernkopf sagt im STANDARD-Gespräch, man wolle als Wirtschaftsstandort weiter wachsen, daher steige auch der Strombedarf – wobei auch die Energieeffizienz wachse. "Wir müssen uns anschauen, wo wir Erneuerbare weiter ausbauen und ältere Anlagen optimieren können", sagt Pernkopf. Der Verkehr sei wiederum ein anderes Thema. Da bestehe über Niederösterreich hinaus Handlungsbedarf.

Kritik an Fördergeldern

Kritik am Ökostrom aus finanziellen Gründen weist Pernkopf ebenso zurück. Vor wenigen Tagen hat die Arbeiterkammer (AK) moniert, dass die Ausgaben für die Ökostromförderung laut einem bis 23. November aufliegenden Verordnungsentwurf pro Durchschnittshaushalt – bei rund 3500 Kilowattstunden Verbrauch – von heuer 103 Euro nächstes Jahr auf fast 120 Euro steigen. AK-Direktor Werner Muhm sagte, es müsse "jetzt Schluss sein mit massiv steigenden Förderungen". Pernkopf hält dagegen, dass der Strompreis insgesamt seit 2012 zurückgegangen ist. Außerdem bleibe das für Ökostrom investierte Geld im Land, wo dieser zudem Arbeitsplätze schaffe.

59 Prozent aus Großwasserkraft

Niederösterreich hat seit 2002 insgesamt 2,8 Milliarden Euro in den Ökostromausbau investiert. 59 Prozent kommen nach Informationen des Landes aus der Großwasserkraft, 26 Prozent aus der Windkraft, neun Prozent aus Biomasse, vier Prozent aus Kleinwasserkraft und zwei Prozent aus Photovoltaik. Eines der nächsten Ziele ist es, bis zum Jahr 2050 die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs durch Erneuerbare zu decken. (Gudrun Springer, 19.11.2015)

  • Seit 2002 investierte Niederösterreich rund 2,8 Milliarden Euro in den Ökostromausbau, unter anderem in Windräder. Rund ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen in dem Bundesland stammt von Windkraftanlagen.
    foto: dpa / patrick pleul

    Seit 2002 investierte Niederösterreich rund 2,8 Milliarden Euro in den Ökostromausbau, unter anderem in Windräder. Rund ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen in dem Bundesland stammt von Windkraftanlagen.

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