Charlie Sheen: Die schweren Lasten des "coolen Onkels"

Kopf des Tages mit Video18. November 2015, 16:20
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Der Hollywood-Star outete sich als HIV-positiv

Für sein Outing bekam Charlie Sheen viel Applaus: "Mutig", "herzzerreißend ehrlich" sei es gewesen, sich der Öffentlichkeit als HIV-positiv zu präsentieren, und dass es die Art ändere, wie Menschen mit der Krankheit umgehen. Das Signal für die Außenwelt könnte dem Schauspieler allerdings noch ganz viel Ärger einbringen, wie etliche Klagsandrohungen ehemaliger Gespielinnen zeigen. Das Outing selbst dürfte angesichts einer schwer Ich-lastigen Lebensgeschichte eher einer Praktik geschuldet sein, die Sheen sich schon vor längerer Zeit zu eigen gemacht hat: Er hat nicht viel nachgedacht.

Ausschnitte aus dem Interview mit Charlie Sheen.

Und so liest sich die Biografie des mittlerweile von seinem Lebensstil eindeutig gezeichneten US-Stars wie die Vita eines zornigen Narren, der permanent über das eigene Ego stolpert.

Dabei sah es anfangs gut aus für Carlos Irwin Estévez, Jahrgang 1965, jüngster Sohn des Schauspielers Martin Sheen und der Künstlerin Janet Estévez. Seinen Vater begleitete Klein-Charlie mit 13 Jahren zum Set von "Apocalypse Now" und war völlig fasziniert. Mit Schulkameraden wie Rob Lowe und Sean Penn drehte er Super-8-Filme. Frühe Erfolge feierte er mit millionenschweren Produktionen von Oliver Stone: "Platoon" und "Wall Street" sind Klassiker. 2003 stieg er bei "Two and a Half Men" ("Mein cooler Onkel Charlie") ein. Die Figur des eindimensional ausgerichteten Weiberhelden im prüden US-Sofaland sollte seine Schicksalsrolle werden.

Denn mit dem Pubilkumserfolg der Sitcom verstärkten sich Alkohol- und Drogenexzesse. Sheen forderte horrende Gagen, zog in der Öffentlichkeit über den Produzenten her und spazierte zeitgleich in Entzugskliniken aus und ein. 2011 warf Warner den teuersten Seriendarsteller aller Zeiten raus. Mit der Folgeserie "Anger Management" konnte Sheen nicht an einstige Beliebtheitswerte anknüpfen.

Das Privatleben war da längst katastrophal, so manche Waffe wurde gezückt, manche Hand erhoben, manches Hotelzimmer zertrümmert. Seine Sexexzesse trat die Regenbogenpresse genüsslich breit – darauf werden weibliche Bekanntschaften vermutlich zurückkommen.

Es wird interessant sein zu sehen, ob Hollywood Sheen nach dem Outing noch buchen wird. Künstlerisch bleibt sein Œuvre bescheiden, die Zusammenarbeit dürfte inzwischen schwierig sein, was sich in der Tatsache ausdrückt, dass Sheen zuletzt in Filmen und Serien fast ausschließlich einen Figurennamen trug: Charlie. (Doris Priesching, 18.11.2015)

  • Charlie Sheen bei einem Interview mit dem US-Sender NBC.
    foto: reuters/handout

    Charlie Sheen bei einem Interview mit dem US-Sender NBC.

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