Kubaner blockieren Grenze zwischen Costa Rica und Nicaragua

18. November 2015, 21:32
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Auswanderung um 66 Prozent gestiegen – Emigranten befürchten Verschärfung der US-Einreisebestimmungen

San Jose – Mehr als 2.000 kubanische Flüchtlinge haben am Dienstag einen wichtigen Grenzposten zwischen Costa Rica und Nicaragua blockiert. Der internationale Verkehr am Grenzposten Peñas Blancas stehe still, teilte die nicaraguanische Regierung mit. Nach Angaben beider Regierungen bildeten sich lange Schlangen von Bussen und Lastwagen, die die Grenze nicht überqueren konnten.

Das könne Auswirkungen auf den Handel in "der gesamten mittelamerikanischen Region" haben, erklärte die Regierung Nicaraguas. Nicaragua beschuldigte Costa Rica, damit eine humanitäre Krise an der gemeinsamen Grenze zu verursachen. Mehrere Länder der Region berichteten in den vergangenen Wochen über die verstärkte Ankunft von Flüchtlingen aus Kuba.

Diese verlassen den Karibikstaat in der Hoffnung, über Drittländer in die USA einwandern zu können. Laut offiziellen Angaben kamen in Mexiko in diesem Jahr bisher fast fünfmal mehr kubanische Flüchtlinge an als im gesamten Jahr 2014.

Einreisebestimmungen werden verschärft

Hintergrund ist wohl die Befürchtung vieler Kubaner, dass sie bald nicht mehr so einfach politisches Asyl in den USA erhalten könnten. Im Juli nahmen die USA und Kuba ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf, diese sollen nun allmählich normalisiert werden. Bisher konnten Kubaner ohne große Probleme in die USA einreisen und erhielten relativ problemlos eine Aufenthaltsgenehmigung.

In den vergangenen Wochen hat sich eine starke Wanderbewegung von Kubanern entwickelt, die von Süd- und Mittelamerika aus in die USA zu gelangen versuchen. In Ecuador können Kubaner ohne Visum einreisen. Die Landroute erscheint vielen Kubanern aussichtsreicher für eine Einreise in die USA als die Meeresüberquerung der Florida-Straße, wo sie von der US-Küstenwache zurückgewiesen werden, wenn es ihnen nicht gelingt, das Festland zu erreichen.

Mittellose Kubaner

In Santa Cruz werden die oftmals mittellosen Kubaner in Kirchen, Gemeindezentren und Turnhallen untergebracht. "Ich glaube, Nicaragua wird uns nicht hineinlassen", sagt der 32-jährige Kubaner Yordani Garcia. Aber zurück will er auch nicht: "In Kuba wird es nicht besser, im Gegenteil: Es wird schlechter." Hinter den Problemen an der Grenze stehen auch alte politische Allianzen. Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega ist seit Jahrzehnten ein enger Verbündeter Kubas, Costa Rica stand den USA näher.

Costa Rica forderte inzwischen ein Dringlichkeitstreffen der Außenminister der beteiligten Staaten von Ecuador bis Mexiko. Die Ansammlung der Kubaner an der Grenze zwischen Costa Rica und Nicaragua hängt auch damit zusammen, dass die Behörden Costa Ricas einen Menschenschmuggler-Ring ausgehoben haben, der für die Weiterreise bis in die USA umgerechnet 6.600 bis 14.000 Euro kassierte.

Das Pew-Forschungszentrum ermittelte in den neun Monaten vor Juli 2015 eine Zunahme kubanischer Flüchtlinge in den USA um 78 Prozent auf mehr als 27.000. Zwei Drittel von ihnen kamen über die mexikanische Grenze nach Texas – eine Zunahme um 66 Prozent innerhalb eines Jahres. (red, APA, 18.112015)

  • Grenzübergang Paso Canoas, 14. November: Eine Kubanerin erhält ihr Visum und darf von Panama nach Costa Rica einreisen.
    foto: . reuters/juan carlos ulate

    Grenzübergang Paso Canoas, 14. November: Eine Kubanerin erhält ihr Visum und darf von Panama nach Costa Rica einreisen.

  • Freiwillige verteilen am Grenzübergang Peñas Blancas Kleidung an Kubaner.
    foto: ap/esteban felix

    Freiwillige verteilen am Grenzübergang Peñas Blancas Kleidung an Kubaner.

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