Wackler auf dem Weg nach Frankreich

18. November 2015, 15:30
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Die 1:2-Niederlage gegen die Schweiz hat am prinzipiell erfreulichen Zustand der österreichischen Fußballnationalmannschaft nicht viel geändert. Teamchef Marcel Koller wusste auch davor, dass bis zur EM an Kleinigkeiten groß gearbeitet werden muss

Wien – Da Marcel Koller Niederlagen entschieden ablehnt, war Österreichs Teamchef auch am Tag nach dem 1:2 gegen die Schweiz "verärgert". Ein Hauch des Ärgers galt dem deutschen Schiedsrichtertrio, es hatte einem regulären Tor von Rubin Okotie die Anerkennung verweigert. "Das soll keine Ausrede sein, aber ohne den Fehler hätte es anders ausgehen können."

Im achten Spiel des Jahres hat es also doch noch eine Niederlage gesetzt. Der Schweizer Koller sagte: "Wenn schon verlieren, dann gegen die Schweiz." In der humorlosen Statistik scheint für immer und ewig das 1:2 auf, als verantwortlicher Trainer sieht man das differenzierter: "Die Leistung war gut, wir haben die Schweiz dominiert. Aber natürlich gab es Fehler, Kleinigkeiten haben nicht gepasst, wir waren nicht konkret genug, in manchen Szenen fehlte die letzte Konzentration." Andererseits könne diese Niederlage auch positive Auswirkungen haben. "Man kommt zurück auf den Boden, weiß, dass nichts automatisch geht." Sorgen müsse man sich nicht machen "Wir werden den Weg wieder finden, das Gebilde ist gefestigt."

Fehlende Stützen

Gegen die Schweiz mussten vier Stammkräfte vorgegeben werden (Almer, Junuzovic, Harnik, Janko), Julian Baumgartlinger und Martin Hinteregger waren wochenlang verletzt, ihnen fehlten ein paar Prozent. Koller: "Vier Stützen mögen andere Nationen ersetzen können, nicht Österreich und auch nicht die Schweiz."

Koller hat die Lostöpfe für die EM studiert, seine Erkenntnis war kurz: "Deftig. Es wird kein Durchmarschieren geben." Er plädiert übrigens dafür, die Zeremonie am 12. Dezember in einer abgespeckten Variante stattfinden zu lassen. Nach den Terroranschlägen von Paris würde es genügen, "das im Fernsehen zu zeigen. Aus Sicherheitsüberlegungen. Warum sollten alle vor Ort sein?"

Vier Vorbereitungsgegner

Der Fahrplan bis zur EM steht in groben Zügen. Zwischen 21. und 29. März finden zwei Testspiele statt, Ende Mai, also kurz vor der Eröffnung am 10. Juni, zwei weitere. Die vier Gegner sollen aus Europa kommen. Zweimal auswärts und zweimal daheim anzutreten wäre logisch. Verhandlungen laufen, Konkretes gibt es erst nach der Auslosung.

Neue Spieler sind eher nicht angedacht, die Integration würde zu lange dauern. "Wir wissen, welche Qualitäten die Leute haben, wir beobachten sie ja." Ob Michael Gregoritsch ein Kandidat ist? "Ich will mich nicht festlegen." Generell sei es wünschenswert, "dass alle bei ihren Vereinen zum Einsatz kommen und durch gute Leistungen Selbstvertrauen tanken."

Innenverteidiger Aleksandar Dragovic sagte nach dem Schweiz-Spiel: "Das Jahr ist trotzdem supergeil gewesen." Koller schloss sich dieser Einschätzung an. "Der größte Fortschritt war, wie souverän wir auswärts aufgetreten sind." Der Teamchef hat ein simples, locker realisierbares Nahziel: "Urlaub. Die Vorfreude ist groß." (Christian Hackl, 18.11.2015)

  • Teamchef Koller ärgern Niederlagen immer, aber gegen die Schweiz verliert er noch am liebsten.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Teamchef Koller ärgern Niederlagen immer, aber gegen die Schweiz verliert er noch am liebsten.

  • Vier Töpfe für Frankreich.
    grafik: apa

    Vier Töpfe für Frankreich.

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