Einhaltung der Kinderrechte für junge Flüchtlinge gefordert

18. November 2015, 15:56
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Derzeit 2.500 minderjährige Schutzsuchende in Österreich – Kritik an Verschärfungen bei Familiennachzug

Wien – Nach acht Monaten Flucht erreichte Kasim Qurbanali Österreich. Er war damals 14 Jahre alt. 15 Jahre sind seither vergangen. Nun betreut der gebürtige Afghane selbst minderjährige Flüchtlinge in einer Wohngemeinschaft im Burgenland. "Ich hätte es ohne Bezugspersonen nicht geschafft", sagte der Student bei einem Pressegespräch im Wiener Museumsquartier am Mittwoch.

Bei dem Termin machte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf gemeinsam mit Wien Xtra und dem Netzwerk Kinderrechte auf die Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Österreich aufmerksam. Anlass ist der 20. November, der internationale Tag der Kinderrechte. An diese Rechte soll ein derzeit in Hof zwei des Museumsquartiers stehendes Holzboot erinnern, das junge Flüchtlinge gebaut haben und dessen Holzplanken, die gegen Spenden symbolisch käuflich sind, Kinder bemalt haben.

Recht auf Freizeit und Erholung

SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Clemens Klingan kritisierte, dass an Orten wie dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen "kaum ein Kinderrecht nicht verletzt" werde: "Dort fehlt es an Bezugspersonen, an Bildung, an Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten." Auch das Recht auf Freizeit und Erholung sei ein Menschenrecht, wurde von Wien Xtra betont.

Bedürfnisse und Fähigkeiten eruieren

Rund 2.500 minderjährige Schutzsuchende befinden sich nach Schätzungen des Netzwerks Kinderrechte derzeit in Österreich, etwa 1.500 von ihnen halten sich im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen auf. Das Netzwerk fordert kindgerechte Clearingverfahren bei der Erstaufnahme, in deren Rahmen die psychischen und physischen Bedürfnisse, aber auch die Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen eruiert und dann dementsprechend Maßnahmen für ihre Unterbringung organisiert werden.

Verschärfung durch Novelle

SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Klingan machte erneut darauf aufmerksam, dass die geplante Asylnovelle für jugendliche Flüchtlinge Verschärfungen bringen werde. Denn subsidiär Schutzberechtigte dürfen dann erst nach drei Jahren die Familie nachholen. Sind sie in dieser Zeit volljährig geworden, haben sie aber kein Recht mehr darauf, die Eltern nachzuholen.

Kasim Qurbanali sagt, in seiner Arbeit in einer Wohngruppe im burgenländischen Pinkafeld gehe es in den Gesprächen mit den jungen Männern oft um das Thema, wann die Eltern ihnen nachreisen dürfen. Immer wieder komme dann die Frage auf: "Was, wenn wir dann schon 18 sind?" (spri, 18.11.2015)

  • Ein buntes Holzboot in Hof zwei des Museumsquartiers soll an die Kinderrechte für junge Flüchtlinge erinnern.
    foto: spri

    Ein buntes Holzboot in Hof zwei des Museumsquartiers soll an die Kinderrechte für junge Flüchtlinge erinnern.

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