Surface 4 Pro und Lumia 950: Der zweite Startschuss für Windows 10

18. November 2015, 17:43
100 Postings

Neue Microsoft-Geräte in Österreich angekommen – weiter Warten auf das Surface Book

Bald ist Windows 10, zumindest in der finalen Version, vier Monate alt. Seitdem hat Microsoft nicht nur manche Mätzchen des Systems mit Updates ausgebessert, sondern auch eine Reihe neuer Geräte präsentiert. Mit dem Surface Pro 4 geht das hauseigene Convertible in eine neue Runde, mit dem Surface Book hat man erstmals einen Laptop gebaut, der eigentlich auch ein Hybride ist.

Mit dem Lumia 950 und 950 XL gibt es nach langer Zeit ein neues Windows-Flaggschiff im Smartphone-Bereich und mit dem Lumia 550 auch ein Gerät für kleinere Budgets. Auch das Fitness-Armband Microsoft Band hat einen Nachfolger bekommen und mit Hololens versucht man sich schon länger an der Augmented Reality.

foto: derstandard.at/pichler
"Mr. Windows" Alexander Linhart stellt das Surface 4 Pro vor.

In Europa bzw. Österreich ticken die Release-Uhren allerdings langsamer als in den USA. Fitnessband und Surface Book lassen auf sich warten, Hololens durfte bislang überhaupt nur ein kleiner Kreis an Pressevertretern in den USA ausprobieren. Aber immerhin: Die neuen Lumias und das Surface 4 Pro – die ab dem 19. November allesamt käuflich erhältlich sind – hatte Microsoft im Gepäck, als man am Dienstagabend zum "Touchpoint"-Event lud.

Alexander Linhart, Chef der Windows-Sparte in Österreich, gab einen kleinen Überblick über den Status Quo des Surface. Im Firmenbereich habe man mit der letzten Generation, Surface 3 Pro, 700 Kunden gewinnen können. Darunter auch einige namhafte Unternehmen. Beispielsweise fliegen die Convertibles in Cockpits der AUA mit. Im Vertrieb kooperiert man mittlerweile mit 300 Partnern, auch HP und Dell bieten auf diesem Wege nun das Surface an.

foto: derstandard.at/pichler
Das Surface 4 Pro ist in Österreich aufgeschlagen, ob und wann das Surface Book kommt, ist unklar.

Neuere Hardware, ein größeres Display bei gleichem Formfaktor, ein überarbeitetes Dock und verbesserte Typecover-Tastatur (beide auch kompatibel zum Vorgängergerät) und die Möglichkeit, den Stift magnetisch an das Tablet zu heften – das preist Microsoft als die Stärken des Surface 4 Pro an.

Verschiedenen Berichten folgend hat sich das Surface 3 Pro bereits recht erfolgreich am Markt geschlagen, ganz im Gegensatz zu den ersten beiden Versionen. Wie erfolgreich das Gerät in Österreich ist, mag man allerdings nicht beziffern.

Bezüglich des Marktanteils von Windows 10 verweist Linhart auf Zahlen von StatCounter. Dort notiert das System in der Österreich-Statistik per Oktober bei rund 11,6 Prozent, derzeit noch auf Rang 4 hinter Windows 7 (41,6 Prozent), Windows 8 (15,1 Prozent) und Apples OS X (rund zwölf Prozent). Für Unternehmen gibt es seit Oktober eine Vorschauversion von Windows 10 Enterprise. Das Interesse sei groß, das Feedback "sehr gut".

Man gibt sich zufrieden, definiert aber weiterhin keine konkreten Ziele. Die einzige Zahl, die steht, ist weiterhin jene, die man bereits auf der eigenen Entwicklerkonferenz Build im April genannt hat. In zwei bis drei Jahren möchte man mit Windows 10 auf einer Milliarde Geräte vertreten sein. Eine Unterscheidung zwischen Smartphones, PCs, Xbox-Konsolen, dem Raspberry Pi oder anderen Geräten trifft man dabei nicht.

foto: derstandard.at/pichler
Windows 10 Mobile im Continuum-Modus.

Ob und wann das Surface Book auch hierzulande erhältlich wird, vermag man nicht zu sagen. Das Microsoft Band 2 erscheint am 19. November in Großbritannien. Immerhin, das für Firmen gedachte Kollaborations-Tablet im Riesenformat, Surface Hub, schafft es auch nach Kontinentaleuropa und soll im Januar in Österreich offiziell zu haben sein.

Auch für Windows Phone, das künftig Windows 10 Mobile heißt, gibt es keine besonderen Vorgaben. Den Marktanteil, weltweit zuletzt auf magere drei Prozent geschätzt, will man freilich erhöhen, wobei man auf Synergieeffekte durch Windows 10 hofft. Windows 10 soll Daten mobil und am Desktop beinander halten und unterbrechungsfreies, geräteübergreifendes Arbeiten ermöglichen.

foto: derstandard.at/pichler
Das Lumia 950 – Vorderseite.

Dazu sollen stärkere Windows-Smartphones künftig über ein Dock wie ein kleiner PC verwendet werden können. "Continuum" lautet hier das Stichwort. Das Konzept sieht zwar manche Einschränkungen vor – so ist es etwa nicht möglich, mehrere Anwendungen nebeneinander am Bildschirm anzuzeigen – und erlaubt nur die Ausführung von Universal Apps, könnte in der Praxis aber trotzdem Mehrwert bieten.

Dazu funktionierte die Umsetzung im Hands-on angenehm flüssig. Das Handy lässt sich verzögerungsfrei als Touchpad- bzw. Mausersatz nutzen, zumindest eine Tastatur sollte aber vorhanden sein. Mittlerweile funktioniert Continuum über einen Miracast-Adapter auch kabellos. Für eine wirklich flüssige Erfahrung sollte es aber ein Gerät sein, das mit der in Windows 10 integrierten Miracast-Erweiterung kompatibel ist.

foto: derstandard.at/pichler
Das Lumia 950 – Kamera.

Die ersten beiden Contiuum-kompatiblem Smartphones werden das Lumia 950 und 950 XL sein. Das deutlich günstigere Lumia 550 bringt die Funktion hingegen nicht mit. Es wird auch kompatible Geräte von Drittherstellern geben, konkret genannt werden kann bislang aber nur Acers Jade Primo, das im Dezember in den Philippinen an den Start gehen wird. Andere Launchtermine fehlen derzeit noch.

Vernünftig austesten ließ sich vor Ort auch noch Windows Hello, das Microsoft als sicheren Login-Dienst anpreist. Dieser unterstützt Iris-Erkennung, wofür die Lumia 950-Modelle auf der Front über eine zusätzliche Kamera mit zwei Megapixel und Infrarot-LED verfügen. Datenschutzbedenken räumt man aus: Die Iris-Daten werden auf einem eigenen, verschlüsselten Chip gespeichert und lassen sich nur überschreiben, aber nicht auslesen.

Laut Microsoft ist Iris-Erkennung derzeit die sicherste Authentifizierungsmethode der Welt. Während sich über diese Behauptung wohl streiten lässt, beeindruckte Windows Hello mit seiner Erkennungsfähigkeit. Nach einem etwas mühsamen Einrichtungsprozess (den man tunlichst nicht an einem öffentlichen Ort vornehmen sollte) identifiziert das System die eigenen Augen ausgesprochen flott und zuverlässig. Und das trotz der widrigen Bedingungen – Dunkelheit, Kunstlicht, abstrahlende Bildschirme und ein Redakteur mit Brille – vor Ort.

foto: derstandard.at/pichler
Das Lumia 950 XL – Vorderseite.

Große Versprechen gibt man auch für die Hauptkameras der neuen Flaggschiffe ab, die beide gleich über einen dreifachen LED-Blitz verfügen. Ob diese halten, wird abzuwarten sein, denn das Kopieren von mit den aufliegenden Testgeräten aufgenommenen Fotos wurde nicht gestattet.

Wenngleich Microsoft weiterhin wenig Zahlen zu Windows und seinen Geräten und noch weniger zu seinen Zielen nennt, scheint sich auch in der Österreich-Abteilung Optimismus breit gemacht zu haben. Mittlerweile haben Firmenvertreter auch keine Probleme mehr, über vergangene Fehlschläge – seien es die ersten zwei Surface-Generationen oder Windows 8 – zu reden, was vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wäre.

foto: derstandard.at/pichler
Das Lumia 950 XL in der Seitenansicht – die kleine "Kamerabeule" lässt das Gerät nicht vollständig am Tisch aufliegen.

Die Zukunftsvision des neuen Chefs Satya Nadella, der Microsoft als plattformagnostischen Service-Anbieter positioniert, hat die Doktrin von Ballmer und seinen Vorgängern verdrängt. Die Zeiten, in denen man versuchte, Windows und Office zu einem quasi-monopolistischen Paket zu verknüfen, sind vorbei.

Wie gut die neue Strategie langfristig greift, bleibt abzuwarten, denn von der Enterprise Cloud bis zum Office-Paket hat manin jedem Bereich namhafte Konkurrenten. Windows 10, das Microsofts neues Gesicht für Consumer ist, wird nur einen Teil dieser Schicksalsfrage beantworten. (Georg Pichler, 18.11.2015)

foto: derstandard.at/pichler
Die Kamera des Lumia 950 XL.
Share if you care.