Eine Bettdecke für zwei

19. November 2015, 15:00
121 Postings

Aufregende Exotik oder ermüdende Routine

foto: apa / dpa / christoph driessen

Pro
von Petra Eder

Ungläubige, fragende Blicke, "Sicher nicht", "schreckliche Vorstellung", "so was kann man hier ja gar nicht kaufen": Eine rasche Umfrage unter Kollegen bringt ein ziemlich eindeutiges Ergebnis.

Wir Doppeldeckenschläfer sind hierzulande bemitleidete Exoten. Dabei ist klar bewiesen: Der Mensch ist nicht zum Alleinschlafen geboren. Bester Beweis ist der allein schlafende Nachwuchs, der – zahlreichen Schlafratgebern zum Trotz – mit äußerster Beharrlichkeit die Rückkehr unter die Elterntuchent einfordert.

Ähnlich verhält es sich mit Doppeldeckenschläfern: Es ist die jahrtausendealte Tradition, die hier durchschlägt. Schließlich schlief die ganze Sippe nebeneinander auf dem Boden, auf Stroh und später in großen Betten, Körperkontakt war selbstverständlich. Während das Schlafen unter der gemeinsamen Decke bei uns nun aber als unangenehm und schlafstörend gesehen wird, ist es gar nicht weit entfernt, in Frankreich, noch immer das Normalste der Welt. Apropos Schlafstörung: Frankreich liegt in der Geburtenstatistik um Doppeldeckenlängen vor Österreich.

Kontra
von Mia Eidlhuber

Aus eigener Erfahrung kann ich an dieser Stelle nur betonen: Mit jemandem unter einer Decke zu stecken ist eine tolle Sache. Routinen aber sind in den meisten Fällen ermüdend – und die Routinen unter einer gemeinsamen Doppelbettdecke sind es erst recht, aber nicht unbedingt im Sinne eines erholungsbringenden Schlafs.

Bedenken wir nur, wenn die sehr harmonische Löffelstellung zugunsten individueller Schlafstellungsbedürfnisse im Unterbewusstsein des Tiefenschlafs aufgegeben wird und zwei Erholungsbedürftige des Nachts von unterschiedlichen Seiten den Kampf um das gemeinsame Objekt der Begierde lostreten.

Vorbei die Ruhe, nichts mit Schlafen. Stellen Sie sich weiter vor, Sie fühlen sich nicht gut, haben Fieber oder was Schlechtes gegessen. Oh nein! Man muss nicht alles teilen im Leben. Denken wir an dieser Stelle – und auch saisonbedingt – an den heiligen Martin und seinen wärmenden Mantel. Auch so eine Bettdecke lässt sich wieder teilen: in zwei Teile nämlich. Für ein kleines bisschen Privatsphäre – und ausreichend Schlaf. (RONDO, 20.11.2015)

Share if you care.